Sucker Punch

Warner Bros. 2011

Regie: Zack Snyder
Drehbuch: Zack Snyder & Steve Shibuya

Darsteller:
Emily Browning – Baby Doll
Abbie Cornish – Sweet Pea
Jena Malone – Rocket
Vanessa Hudgens – Blondie
Jamie Chung – Amber
Carla Gugino – Dr. Vera Gorski
Oscar Isaac – Blue Jones
Das neueste Werk von Zack Snyder scheint das Publikum zu polarisieren wie kaum ein anderer Film derzeit. Die Einen jubeln ihn hoch, als wäre es eine Neuauflage der Bibel, die Anderen verdammen ihn wie die Biographie eines gewissen österreichischen Politikers. Wer hat nun aber Recht? Wie schon der Kaiser sagte: Schaun mer mal.
Inhalt
Das Leben von Baby Doll ist nicht wirklich ein Traum. Ihre Mutter wurde von ihrem Stiefvater umgebracht und der Kerl hat nichts Besseres zu tun, als seine beiden Töchter vergewaltigen zu wollen. Baby Doll wehrt sich und erschießt dabei ihre kleine Schwester. Der Alte schiebt sie darauf in eine korrupte Irrenanstalt ab, wo man ihr in fünf Tagen eine Lobotomie verpassen will.
Um der harschen Realität zu entfliehen, flüchtet das Mädchen in eine Fantasiewelt. In dieser ist sie eine Heldin, die einen Plan zur Flucht hat.
Die Pros:
+Die Optik: Wie eigentlich nicht anders zu erwarten sieht „Sucker Punch“ unglaublich aus. Zack Snyder hat eine hervorragende visuelle Vorstellungskraft und kann diese auch auf Film bannen. Gerade die „Traum-in-Traum“ Sequenzen sind atemberaubend. Er bedient sich dabei einer Ästhetik, die man als wilden Mix aus Manga, Anime und Videospielen beschreiben kann.
+Der Soundtrack: Wer sich den Film anschaut kriegt ordentlich was auf die Ohren. Schon bei „Watchmen“ war die Zusammenstellung sehr bemerkenswert. Ich hätte nie gedacht, dass eine Actionsequenz vertont mit Björk funktionieren könnte, aber es klappt.
Die Kontras:
Nehmt euch Zeit, der einzige Minuspunkt ist ein langer. Außerdem gebe ich direkt ein Spoiler-Warning.
-Die Umsetzung der Story: Die Geschichte des Films ist wirklich gut und wegen der Message als besser zu bewerten als die von „Inception“, der gerne zum Vergleich herangezogen wird.
Baby Doll sieht sich einer Realität ausgesetzt, die so grausam ist, dass sie es nicht ertragen kann. Deshalb flieht sie in eine Scheinwelt, in der aus der Anstalt ein Bordell wird und sie, wie die anderen Insassen, eine Hure ist, die auf den Highroller wartet. Diese Welt ist noch immer schlecht, aber so kann sie wenigstens den sexuellen Missbrauch durch die Pfleger in einen Kontext setzen. Wenn diese sich an ihr vergehen, dann tanzt sie in der Traumwelt.
Während dieses Tanzes dringt sie in eine weitere Scheinwelt ein. Hier sind sie und ihre Mitstreiterinnen harte Elitesoldatinnen, die wichtige Missionen erfüllen. So kämpfen sie gegen deutsche Heereszombies, töten einen Drachen oder entschärfen eine Bombe. Dies steht in Verbindung zur Realität, in der die Karte der Anstalt, ein Feuerzeug und ein Messer geklaut werden.
Die Message des Films kann man unter dem Titel „Die Gedanken sind frei“ zusammenfassen. In der Fantasie ist jeder Mensch frei. Mit Hilfe des Geistes gelingt es uns, selbst die schlimmsten Situationen zu ertragen. Unsere Vorstellungskraft macht uns stark.
So weit, so gut. Leider wird die Umsetzung den hohen Ambitionen der Geschichte nicht gerecht. Hier gibt es erhebliche Mängel, die angesprochen werden müssen.
Ich persönlich fand es sehr schade, dass die Realität zu kurz kommt. Man wechselt praktisch nur zwischen der zweiten und dritten Handlungsebene, die erste, in der sich die Figuren eigentlich bewegen, ist nur am Anfang und am Ende des Films präsent. Man sieht die Welt ausschließlich durch den Filter, dabei wäre es doch interessant zu sehen, was echt ist.
Leider werden die Figuren auch sehr stiefmütterlich behandelt. Die Charaktere bleiben flach, eindimensional und sind eigentlich nur da, um die Actionszenen auszustatten. Man kann kaum eine Beziehung zu ihnen aufbauen und am Ende ist jede Figur austauschbar, die eigentlich keinen Namen gebraucht hätten.
Den Wechsel zwischen den Handlungsebenen hätte ich mir auch etwas fließender und weniger abrupt gewünscht. Es gibt keinen Übergang, man ist entweder im Bordell oder im (ich nenne es mal) Mangaversum. Da wurde die Möglichkeit verschenkt, ein wenig mit dem Zuschauer zu spielen.
Der Film wirkt am Ende einfach gehetzt. Die Handlung kommt sehr plötzlich zum Schluss, mit einer Wendung, die ich jetzt nicht erzähle. Ich sage es selten, aber 30 Minuten bis 45 Minuten mehr hätten hier gut getan. Dadurch wäre die Möglichkeit gegeben, die Charaktere besser zu entwickeln und die Handlung zu vertiefen, ohne bei den Ausflügen in die Fantasie sparen zu müssen.
Fazit
Wie jeder Film hat auch „Sucker Punch“ seine Fehler. Die Beurteilung hängt davon ab, wie stark man diese bewertet. Auf der Habenseite steht eine innovative Geschichte mit beeindruckender Optik und guten Soundtrack. Auf der anderen Seite haben wir die in Teilen schwache Umsetzung.
Der Film verdient weder die Lobeshymnen oder das gnadenlose Bashing. „Sucker Punch“ ist ein ordentlicher Film, der knapp über dem Durchschnitt liegt. Aber anscheinend gibt es heute nur noch Himmel oder Hölle.
Wem Snyders andere Filme gefielen, kann sich den Film ruhig im Kino ansehen. Alle anderen warten auf die DVD.
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