Top 15 Countdown der besten Comicverfilmungen

Bevor wir ans Eingemachte gehen, erkläre ich am Besten, wie diese Liste zustande gekommen ist.
Die Regeln waren ziemlich einfach. Die erste Bedingung war, dass es sich bei den Filmen um Realverfilmungen handeln musste. Deshalb fallen Filme wie „Waltz with Bashir“ aus der Verlosung. Die zweite Bedingung war, dass ich den Film auch gesehen haben musste. Also nicht wundern, dass „A History of Violence“ es nicht geschafft hat. Ich weiß, dass der am letzten Wochenende im TV lief, aber ich hatte was anderes zu tun („Dead Space“ auf der Xbox 360).
Kommen wir jetzt zu der Frage, wieso ich eine „Top 15“ gemacht habe. Ich schreibe diese Listen, indem ich oben auf einem Blatt ein Thema schreibe und danach ungeordnet Filmtitel aufschreibe, die zu dem Thema passen. Unter dem Stichwort „Comicverfilmung“ hatte ich schnell gut 20 Titel stehen und ich wollte nicht zu viele aussortieren.
So, jetzt geht es aber wirklich los.

Wer bei Comics nur an Männer in Strumpfhosen oder sprechende Tiere denkt, hat in den letzten 30 Jahren kein Heft mehr in die Hand genommen. Das Medium hat das Image der seichten Kinderunterhaltung abgelegt und sich zu einer ernstzunehmenden Erzählform entwickelt. Das Time Magazine setzte „Watchmen“ z.B. auf die „Top 100 der besten Bücher aller Zeiten“.
Die Geschichten veränderten sich ebenfalls und so arbeiten heute Menschen, die man früher vielleicht auf den Bestsellerlisten gefunden hätte, als Autoren für Comics und sind so Stars. Namen wie Allan Moore oder Frank Miller sind vielen Menschen als hervorragende Geschichtenerzähler bekannt und ein Stan Lee steht für eine gewaltige Kreativität. Sie verarbeiteten in ihren Werken Themen, die man allgemein auf den Seiten eines Romans erwartet.
Wie ihre Vorlage, so haben sich auch ihre Verfilmungen verändert. Von lustigen Sommerfilmen sind sie zu heiße Kandidaten auf die „Oscars“ geworden. Aber nicht nur in der Kategorie „Special Effects“, sondern in der Königsklasse „Bester Film“.
Aber jetzt genug der großen Worte, ihr wollt wissen, welche Filme topp sind, und ich will das nicht weiter hinauszögern.

15. Werner – Beinhart!

Constantin Film, 1990


Puh, das war knapp. Aber zum Glück (für meine Liste) ist der Film nur teilweise animiert.
Das erste Filmabenteuer des Bölkstoff trinkenden, Horex fahrenden und die Polizei verarschenden Klempnerlehrlings ist eine der wenigen deutschen Comicverfilmungen (die anderen sind „Der bewegte Mann“ und „Das Kondom des Grauens“) und ein absoluter Kultfilm. Vom legendären Fußballspiel auf dem Campingplatz, den witzigen Sprüchen bis zum genialen Soundtrack von Torfrock und Konsorten (Ich hatte ihn auf Kassette und so lange gehört, bis das Band nachgab.) ist alles nur genial. Selbst 20 Jahre nach der Veröffentlichung macht Werner noch Spaß und man hat einfach eine schöne Zeit.

14. Superman

Warner Bros., 1978


Superman ist eine der größten Comicikonen der Welt und auch der erste Superheld. Selbst heute, 62 Jahre nach seinem Debüt, ziehen die Hefte mit dem Mann aus Stahl Millionen von Lesern an.
Eines der Hauptziele der Verfilmung war es, die Illusion zu schaffen, dass Superman wirklich fliegt und man muss sagen, es ist den Machern gelungen. Die Szene, in der Kal-el mit Lois Lane einen kleinen Ausflug macht, ist wohl jedem bekannt.
Die Besetzung muss man auch hervorheben. Christopher Reeve als Titelheld, Gene Hackman als Lex Luthor und der große Marlon Brando als Jol-El, Supermans Vater, liefern eine mehr als nur gute Vorstellung ab.
„Superman“ ist ein großartiger Film, den jeder Comicfan gesehen haben muss.

13. Batman

Warner Bros., 1989


Und gleich der nächste Held aus dem DC-Universum.
Über die Hintergründe werde ich ausführlich im November schreiben, denn das ist der „Batman-Monat“. Aber ein paar Details kriegt ihr doch. Als Inspiration dienten Tim Burton „Der dunkele Ritter kehrt zurück“ von Frank Miller und „The Killing Joke“ von Alan Moore. (Da die Beiden noch öfters hier auftauchen, mache ich ein Scoreboard auf, um einen Gewinner zu küren. Miller:1 Moore:1)
Wie alle Filme von Burton ist auch „Batman“ optisch ungemein beeindruckend, Jack Nicholson als Joker legendär (nicht nur in der Gage) und Michael Keaton ist Batman (und ja, auch Christian Bale stinkt da ab).
Ich finde den Film super und schaue ihn mir immer wieder von Zeit zu Zeit an.

12. X-Men

20th Century Fox, 2000


Da haben wir den unausweichlichen Stan Lee. (Lee:1 Miller:1 Moore:1)
Die Geschichten um ein Team aus Mutanten sind seit Jahrzehnten ein Renner. Mittlerweile haben sich die X-Men zu einer Parabel zu Rassismus entwickelt und schlagen einen Ton an, die man so nicht von Superhelden erwartet.
Der Film liefert eine spannende Geschichte, tolle Effekte, glaubwürdige Charaktere und fürs Auge Halle Berry und Rebecca Romjin (für uns Männer) und natürlich Hugh Jackman in seiner Paraderolle als „Wolverine“ (für die Damen). Neben den bereits genannten Darstellern wird die Besetzung durch Patrick Stewart, Ian McKellen und Famke Janssen ergänzt. Also ist auch für Qualität gesorgt in dem Film, der den aktuellen Trend der Comicverfilmungen startete.

11. Spider-Man

Columbia Pictures, 2002


Da ist er ja schon wieder, der Herr Lee. (Lee:2 Miller:1 Moore:1)
Spider-Man ist eine der beliebtesten Figuren aus dem Hause Marvel. Die Geschichte um den liebenswerten Nerd Peter Parker (die Alliteration ist ein Markenzeichen von Lee, um sich die Namen besser zu merken) ist eigentlich jedem bekannt und von vielen geliebt. Leider versuchte Marvel in den letzten Jahren, diese Beliebtheit zu torpedieren (erwähnt einfach mal „One More Day“ gegenüber einem Fan und ihr werdet was erleben).
Der Film von Sam Raimi („Evil Dead“) erzählt die Hintergrundgeschichte (mit Anleihen aus dem Ultimate-Universum). Die Darsteller sind sehr gut und glaubhaft, die Aktion spektakulär und der innere Konflikt von Parker sehr gut umgesetzt.

10. Hellboy

Columbia Pictures, 2004


Da haben wir mal eine nette Ausnahme von der Regel, denn bei „Hellboy“ ist nicht der Autor, sondern der Zeichner Mike Mignola der Star.
Die Figur entstand mehr durch Zufall als durch jahrelanger Planung. Auf einer Convention kritzelte Mignola eine Zeichnung, die er später zu dem sympathischen Dämon mit der Steinhand ausbaute.
Guillermo del Torros filmische Interpretation ist ein Meisterwerk, das zeigt, wie herrlich Comicverfilmungen sein können. Die Bilder pulsieren mit Leben, die Geschichte ist fantasiereich und die Darsteller genial. Gerade Ron Perlman beweist, dass man im fortgeschrittenen Alter auch noch den Durchbruch schaffen kann.

9. Iron Man

Paramount Pictures 2008


Stan Lee zum dritten. (Lee:3 Miller:1 Moore:1)
Was ich von dem Film halte, habe ich bereits in der ausführlichen Kritik geschrieben.
Robert Downey, jr. dominiert jede Szene, die Aktion ist nicht zu verachten und auch sonst macht der Film einfach nur Spaß.

8. Kick-Ass

Universal Pictures 2010


Diesmal ein Millar mit „A“.
Ich verweise auch diesmal auf die Kritik für ausführliche Informationen.
Der Film ist eine überdrehte Achterbahnfahrt mit witzigen Charakteren, tollen Darstellern und Action, die einem alles um die Ohren haut. Ein absolutes Muss für jeden.

7. V wie Vendetta

Warner Bros., 2006


Da haben wir ihn wieder den freundlichen Vollbartträger Alan Moore. (Lee:3 Moore:2 Miller:1)
Jetzt kommt eine schwere Diskussion auf uns zu. Die Miniserie erschien Anfang der 80er Jahre und war eine Reaktion auf die englische Regierung unter Margret Thatcher. Das vorherrschende Thema war der Konflikt zwischen Fanatismus und Anarchismus. Für den Film wurde einiges umgeschrieben, um einen aktuellen Bezug zu haben. Das gefiel dem Autor Moore nicht wirklich. Doch dazu mehr in der bald erscheinenden Kritik.
Der Film, produziert von den Wachowski Brüdern (den Machern der „Matrix-Trilogie), sieht selbstverständlich hervorragend aus, Hugo Weaving ist in seiner Rolle als „V“ virtuos und Natalie Portman bringt ihren Part. In seiner jetzigen Form ist der Film eine sehr gelungene Parabel auf den Neokonservatismus der Bush-Ära.

6. Sin City

Dimension Films, 2005


It’s Miller Time, mal wieder. (Lee:3 Miller:2 Moore:2)
„Sin City“ ist eine Comicreihe von Frank Miller, die im Noir Stil gehalten ist. Die „Helden“ sind Ausgestoßene, Gangster und andere Figuren der Unterwelt, die versuchen, in dem Sumpf Basin City zu überleben.
Für den Film wurden die ersten vier Bände der Reihe zusammengeschnitten. Robert Rodriguez stellte jeden einzelnen Panel (für Noobs: die Bilder) der Comics in seinen Einstellungen nach und verwendete auch den Schwarz/Weiß Stil der Vorlage. Die Masken sehen toll aus (Mickey Rourke z.B.), die Schauspieler sind exzellent (mich nervt nicht mal Jessica Alba) und der Stil ist genial. Daumen hoch.

5. From Hell

20th Century Fox, 2001


Da ist er wieder, der Haggrit Doppelgänger Alan Moore. (Lee:3 Moore:3 Miller:2)
Die Serie „From Hell“ wurde zwischen 1991 und 1996 im Magazin „Taboo“ veröffentlicht. Die Geschichte hat in der gesammelten Ausgabe einen Umfang von 592 Seiten. Moore erzählt die Geschichte des berühmten Serienmörders „Jack, the Ripper“. In seiner Version sind die Morde ein Versuch, ein außereheliches Kind des englischen Thronfolgers zu unterschlagen.
Die Geschichte des Films wurde gegenüber der Vorlage verändert. Es ist mehr ein klassischer Krimi, in der Johnny Depp als Kommissar den unbekannten Mörder jagt. Über die Qualitäten des Herrn Depp brauche ich nicht viel zu schreiben, Heather Graham zeigt, dass sie zu Unrecht unter dem Radar läuft, die Atmosphäre ist so dicht, dass man sie mit einem Messer schneiden kann, und die Geschichte spannend. Insgesamt auch für Krimifans zu empfehlen.

4. 300

Warner Bros. Pictures, 2007


Da haben wir wieder den Killer-Miller. (Lee:3 Miller:3 Moore:3)
Für eine ausführliche Kritik schaut ihr bitte im entsprechenden Artikel nach.
Der Film ist eine herrliche Schlachtplatte, in der Männer in knappen Klamotten andere metzeln. Es mag primitiv sein, aber nichts bringt das Adrenalin mehr zum Kochen als Gerald Butler, der brüllt „Dies ist Sparta!“.

3. The Dark Knight

Warner Bros., 2008


Batman, die Zweite.
Der Film basiert hauptsächlich auf der Geschichte „Das lange Halloween“ von Jeph Loeb, die aber leider erst im November in Deutschland, pünktlich zum „Batman-Monat“, erscheinen wird. Also fasse ich mich kurz. Es geht um den Wechsel bei Batmans Gegnern von einfachen Kriminellen zu Superschurken und erzählt gleichzeitig die Hintergrundgeschichte zu Two-Face. Zeitlich ist es ungefähr ein halbes Jahr nach den Geschehnissen aus „Batman: Das erste Jahr“ von Frank Miller einzuordnen, das die Inspiration zu „Batman Begins“ war.
„The Dark Knight“ ist ein beeindruckender Film mit einer Tiefe, die man bisher kaum in Superheldenfilmen fand. Zwei kleine Kritikpunkte gibt es doch. Erstens habe ich das Gefühl, dass man den Film auch ohne Batman hätte machen können. Zweitens fühlt sich der Joker auch nicht richtig an (nichts gegen Heath Ledger, der verdient den Oscar postum verliehen bekam).

2. Watchmen

Paramount Pictures, 2009


Wir haben einen Gewinner im Autorenduell: Alan Moore. (Moore:4 Lee:3 Miller:3)
Über den Comic, seine Themen, die Erzählstruktur und die künstlerische Gestaltung kann man ein ganzes Buch schreiben. Oder auch zwei. Wie schon in der Einführung erwähnt, wurde es zu den 100 besten Büchern gewählt und leistet damit z.B. „Der Herr der Fliegen“, „Der Herr der Ringe“ und „Animal Farm“ Gesellschaft. Ich glaube, das sagt alles über die Qualität des Comics aus.
Der nächste Satz kann mich zwar potentiell Leser kosten, aber: DER VERDAMMTE TINTENFISCH IST NICHT WICHTIG FÜR DIE GESCHICHTE.
Zack Snyder zaubert wie bereits in „300“ beeindruckende Bilder auf die Leinwand, die Darsteller gehen in ihren Rollen auf (Jackie Earl Haley kann man als „Rorschach“ nicht genug loben) und die Geschichte über die ehemaligen Superhelden ist fesselnd. Leider fehlte aus Zeitgründen die Geschichte in der Geschichte, „Der schwarze Frachter“, doch den gibt es separat auf DVD zu kaufen. Ich hoffe ja noch immer, dass die „Ultimate Edition“ in Deutschland erscheint, die den Director’s Cut mit dem animierten Film verbindet.

1. Road to Perdition

20th Century Fox, 2002


Ein kleiner Überraschungssieger. Nicht wahr?
Die Comics, geschrieben von Max Allen Collins, behandeln den Rachefeldzug des Mafiakillers Michael O’Sullivan gegen seine ehemaligen Auftraggeber zur Zeit der großen Depression.
Der Film hat eine hochkarätige Besetzung mit Tom Hanks, Paul Newman und Jude Law, die von ihren namhaften Nebendarstellern Stanley Tucci, Anthony LaPlaglia („Without a Trace“) und dem damals noch unbekannten Daniel Craig großartig unterstützt werden. Die starken Bilder und die atemberaubende Stimmung hinterlassen einen bleibenden Eindruck.

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5 Antworten zu Top 15 Countdown der besten Comicverfilmungen

  1. huren sohn schreibt:

    beindruckend, was für ein bauer du bist. du hast wirklich überhaupt keine ahnung von comics oder den schlechtesten geschmack der welt.

    • biglars schreibt:

      Deiner unglaublich tiefgreifenden Analyse gepaart mit einem virtuosen Umgang der deutschen Sprache hat mich beeindruckt. Natürlich werde ich sofort die Liste umschreiben und „Howard the Duck“, „Daredevil“, „Green Lantern“, „Superman Returns“ und die „Captain America“ Filme aus den 70ern und 80ern aufnehmen.

  2. Semy-G schreibt:

    Gut ausgewählt schön bei einer Rangliste von Comicverfilmungen nicht nur Marvel- oder DC-Comics zu sehen. Ich finde trotzdem das mal eine Aktualisierung der Liste kommen sollte da wieder viele neue gute Comicverfilmungen gekommen sind. (Bsp: Green Lantern, Thor oder The Avengers)

    • biglars schreibt:

      Thor wird jetzt bald als Kritik kommen, im September auch die Avengers (wenn sie als DVD raus sind). Für Green Lantern habe ich einen ganzen Monat geplant, mit der Geschichte, eine Vorstellung zu „Secret Origin“, dem Comic, auf dem der Film basiert, „First Flight“ und „Emerald Knights“, den beiden animierten Filmen, und natürlich dem Hauptfilm.

  3. marcel nowitzki schreibt:

    naja Green Lantern muss nicht unbedingt sein😉
    aber was ist mit The Crow?
    Gehört doch irgendwie unter die Top 5 für mich.
    Grüssle

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