Red Sonja

MGM/UA Entertainment 1985


Bevor ich mit der Kritik anfangen, komme ich erstmal meinem selbstauferlegten Bildungsauftrag nach und ein wenig über die Figur der „Red Sonja“ erzählen.
Der Charakter ist ein Spin Off der beliebten „Conan“ Comics. Sie wurde 1973 in den Marvel Comics erfunden und war (und ist) der weibliche Gegenpart zu dem wortkargen und muskelbepackten Barbaren. Sie stellt eine starke Kriegerin dar, praktisch die erste weibliche Heldenfigur. Heute kennt man sie hauptsächlich wegen ihrem freizügigem Outfit und den gigantischen Brüsten.

Nur als Beispiel


Wie schlecht ist denn nun der Film? Hören wir mal Statements von den beteiligten. Arnold Schwarzenegger sagte (im Scherz), dass seine Kinder den Film zehnmal zur Strafe sehen müssten, wenn sie sich daneben benähmen. Deshalb hätte er keine Probleme mit ihnen. Seine Frau Maria Shriver sagte auf der Premiere zu ihm, wenn der Film nicht seine Karriere beende, dann könne es gar nichts. Das sagt schon einiges aus.
Die Gründe dafür sind eine schlechte und einfallslose Geschichte, starke Abweichungen zum etablierten Conan Universum, billige Effekte, idiotische Szenen, miese Leistungen der Darsteller und die unterschwellige Homophobie. Richtig gelesen, hier wird Homosexualität als etwas Böses dargestellt.
Normalerweise würde ich jetzt den Film Szene für Szene auseinandernehmen, meinen Kommentar zu allem abgeben und so einen ellenlangen Artikel produzieren. Aber ich mach das hier anders und hake die obengenannten Punkte einzeln ab.

GESCHICHTE
Die Geschichte ist nicht mehr als der einfallslose Standard. Die böse Königin Gedren (Sandahl Bergmann) hat ein magisches Artefakt geklaut und will damit die Welt unterjochen. Red Sonja (Brigitte Nielsen) und Kalidor (Arnold Schwarzenegger) wollen das verhindern. Unterstützt werden sie dabei von dem Comic Relief Duo bestehend aus dem jungen Prinz Tarn (Ernie Reyes, jr.) und seinem treu ergebenen Diener Falkon (Paul Smith).
Diese Story ist so ausgelutscht, dass ich es kaum in Worte fassen kann. Wie oft hat man das schon gesehen? Aber ich sage immer, man kann auch alten Stoff senden, wenn man ihn interessant verpackt. Doch auch da hat der Film nichts zu bieten. Die Geschichte ist so vorhersehbar, wie es sich oben liest. Es gibt keine Überraschungen und die Liebesgeschichte zwischen Sonja und Kalidor wirkt aufgesetzt und erzwungen. Es gibt keine Chemie zwischen den beiden Figuren.

ABWEICHUNGEN ZU CONAN
Gleich am Anfang kommt es zu einem wirklich peinlichen Fehler. Ein Erzähler berichtet über Red Sonja und nennt sie die beste Kämpferin im Hyporiden Reich. Es ist das Hyborische Reich oder besser Zeitalter. Man kann das sogar in dem durchlaufenden Text lesen! Aber ich will mich nicht zu sehr über die mangelnden Englischkenntnisse der deutschen Übersetzer aufregen.
Deutlich sauerer stößt mir auf, dass Frauen hier nicht ernst genommen werden. Sonja kriegt dauernd zu hören, dass sie nicht kämpfen könne, weil sie eine Frau sei. Ihr Kampflehrer gibt ihr, nachdem er sie zur „Meisterin der Meister“ ernannt hat, durch die Blume den Rat, sich mal ordentlich flachlegen zu lassen.
Wie kommen die Leute zu dem Schluss? Wenn ich mich an die ersten beiden Filme aus dem Conan Universum erinnere, dann hatten wir da sehr respektierte weibliche Kämpfer. Im ersten Teil war es die Geliebte von Conan, Valeria (damals auch von Sandahl Bergmann gespielt). Sie konnte mit dem Schwert umgehen und verteidigte sich sehr gut. Im zweiten Teil gab es Zula (Grace Jones). Sie war eine wilde Kriegerin und ein Schrecken auf dem Schlachtfeld.
Aber die waren ja in den anderen Filmen. Was ist, wenn die gar nicht zählen? Ok, dazu sage ich nur Königin Gedren. Sie radiert mit ihrem Heer ganze Reiche aus, da sollte man Frauen doch schon ernst nehmen.

BILLIGE EFFEKTE
Es kommen zwar kaum Special Effects vor, aber die sind so schlecht, dass man kaum hinschauen kann. Der erste ist die Fee oder der Geist oder die Göttin (es wird nicht wirklich geklärt, was sie ist) in der ersten Szene. Das Ding ist nicht mehr als ein weißer, undefinierter Fleck. Es gibt so viele verschiedene Beispiele, wie man das besser löste. Die Geister im ersten Conan Film sahen besser aus, z.B.
Der nächste schlechte Effekt ist das gefährliche Monster. Das Ding sieht schlechter aus als der japanische Godzilla. Es wirkt sogar unechter als die Monster aus den „Power Rangers“. Es ist einfach ein mit Gummi überzogenes und mit Silberfarbe angesprühtes Gestell. Es bewegt sich kaum und strahlt keinerlei Gefahr aus. Wie man es besser macht, zeigt wieder der erste Film um den Barbaren. Die Schlange finde ich noch heute beeindruckend.
Von der Hausspinne der Königin, die an einen zu groß geratenen Scherzartikel erinnert, erwähne ich mal lieber gar nicht ausführlich.

IDIOTISCHE SZENEN
Gleich die erste Szene des Films legt die Messlatte hoch. Wir sehen unsere Heldin das erste Mal, als sie vor einem brennenden Haus aufwacht. Es erscheint der bereits erwähnte weiße Fleck und erzählt sie, was gerade passiert ist. Ihre Familie wurde getötet, das Haus niedergebrannt und sie von mehreren Soldaten vergewaltigt, weil Sonja der Königin Gedren nicht einfach einen Korb gab, sondern diese auch noch schwer verletzte. Anschließend gibt der Fleck Sonja noch die Kraft, Rache für ihre Leiden zu nehmen.
Mein Problem ist nicht der Inhalt. Hier hält man sich wirklich recht eng an die Vorlage. Im Comic wurde Red Sonjas Familie tatsächlich ermordet und sie vergewaltigt. Es waren jedoch keine speziellen Soldaten mit Auftrag, sondern einfache Söldner. Anschließend erschien eine Göttin und gab Sonja die Fähigkeit, jede Waffe perfekt zu führen.
Nein, mein Problem fängt mit der Hauptdarstellerin an. Ich werde nachher noch auf Nielsens Leistung eingehen, aber sie sieht nicht aus, als wenn sie gerade gelitten hätte. Die Haare sitzen perfekt, das Make Up ist nicht verwischt, die Kleidung kaum zerrissen. Sieht so ein Vergewaltigungsopfer aus? Ok, der Film hatte ein PG-13 Rating, aber trotzdem. Das Ganze erweckt den Eindruck, als wenn es ein Spaziergang im Park sei.
Das Verhalten der Fee ist auch unverständlich. Also, sie findet diese traumatisierte Frau und hat nichts Besseres zu tun, als ihr ihre Leiden unter die Nase zu reiben? Da hat wohl jemand in der Schule für übernatürliche Freunde nicht aufgepasst. Sollte sie sich nicht erstmal um Sonja kümmern?
Das Monster habe ich schon erwähnt. Gedren nutzt die Macht des Talismans dazu, Sonja und ihre Begleiter mit einem Sturm in die Höhle zu treiben, damit sie dort von dem Vieh erledigt werden. Warum nutzt sie diese ultimative Waffe nicht dazu, diese Pappfiguren einfach vom Angesicht der Erde zu fegen?
Gedren kann die Bewegungen von Sonja durch einen magischen Spiegel verfolgen, der von den Gedanken ihres Magiers gesteuert wird. Als das Gerat zum ersten Mal angeworfen wird, kann er sich nicht konzentrieren und wir kriegen eine halbnackte Tänzerin zu sehen. Der einzige Grund dafür ist wohl, doch noch Titten in den Film einzubauen.
Der Vorspann gehört zwar nicht wirklich in diese Kategorie, aber ich muss einfach darüber schreiben. Während der kompletten Credits sieht man Schwarzenegger, wie er durch die Gegend reitet. Sein Name wird auch als erstes genannt, in Buchstaben größer als der folgende Titel des Films. Brigitte Nielsen kommt er nach dem Titel, kaum leserlich und oben an den Rand gequetscht, damit die Einblendung nicht die Sicht auf Schwarzenegger versperrt.
Sollte nicht die Hauptdarstellerin zuerst genannt werden? Arnold spielt nur eine kleine Nebenrolle, warum wird er als erstes genannt und hat sogar bis zur Hälfte des Films die meiste Screentime?
Diese Fragen stellte sich übrigens auch Arnie selbst. Er hatte eigentlich nur zugestimmt, weil er sich dem Produzenten verpflichtet fühlte. Er wollte und sollte nur einen Cameo haben. Deswegen war er im Nachhinein schwer angesäuert.

SCHLECHTE DARSTELLER
Brigitte Nielsen ist keine gute Schauspielerin und war es nie. Ihre Karriere im Spielfilm hätte nach diesem Film eigentlich vorbei sein müssen, doch leider war es das nicht. Nielsen hätte sich danach auf Filme beschränken sollen, die man in Videotheken in einem abgeschlossenen Bereich findet. Ihre Leistung ist unterirdisch. Sie zeigt keinerlei Mienenspiel, vermittelt keinerlei Emotionen und in den Kampfszenen wirkt sie fehl am Platz. Es ist, als wenn ein kleines Kind „Fechten“ spielt. Aber ich gebe gerne zu, dass sie außerhalb des Kampfes eine beeindruckende Technik am Breitschwert zeigt, wenn sie es wirbelt und um das Handgelenk kreisen lässt. Versucht das mal mit einem mehrere Kilogramm schweren Schwert.
Weil Nielsen nichts anbietet, versucht Bergmann das mit übertriebenem Verhalten auszugleichen. Sie hat ja auch nicht gerade das Schauspiel erfunden, aber hier wirkt sie lächerlich. Sie ist konstant am Schreien, redet in einer übertrieben und gewollt bösen Stimme und verhält sich wie ein Comicschurke. Das ist nicht bedrohlich.

Bedrohlich geht anders

Ihr Kostüm trägt dazu bei. Natürlich trägt sie dem Klischee folgend schwarz, weite Hosen, weite Blusen und eine seltsame Krone. Ihre Maske, die wirkt, als wenn man ihr ins Gesicht gespuckt hat, trägt auch dazu bei.
Ihre Handlanger sind auch nicht wirklich der Bringer. Ihre rechte Hand wird von Ronald Lacey gespielt. Für Leute, die mit dem Namen nichts anfangen können, das ist der Obernazi in „Jäger des verlorenen Schatzes“. Dieser furchteinflößende, schmierige Kerl, der einem den Schauer über den Rücken jagte. Er ist doch normalerweise perfekt für die Rolle des Bösewichts. Aber auch er leidet unter einem lächerlichen Kostüm, weil er eine Fledermaus auf dem Kopf trägt und ein Sackkleid. Außerdem hat er kaum Szenen und kommt als weinerlicher Versager rüber, der vor allem Angst hat.
Der Zauberer löst in seinen beiden Szenen auch nur Lachkrämpfe aus. Der Mann sieht mit seinem Schnurbart und dem kunterbunten Mantel wie ein schwuler Dschinghis Khan aus.
Ernie Reyes, jr. hat ja endlich eingesehen, dass er als Darsteller nichts taugt und verdient sich jetzt als Stuntman, der schön im Hintergrund bleibt.

UNTERSCHWELLIGE HOMOPHOBIE
Königin Gedrens hervorstechendsten weil einzigen Charaktereigenschaften sind, dass sie erstens böse und zweitens lesbisch ist. Ehrlich, mehr ist da nicht. Ihre Rivalität zu Red Sonja rührt nur daher, dass Gedren an ihrem Honigtopf schlecken wollte.
Diese Art von konservativer Propaganda ist so plump, dass es schon schmerzt. Da spricht die christliche Rechte, die ja in den 80ern Dank Reagan auf dem Vormarsch war. Hollywood sprang auf den Zug auf und veröffentlichte Filme, die Joseph Goebbels Tränen in die Augen getrieben hätten. Rocky und Rambo kämpften gegen die kommunistische Bedrohung und für den American Way of Life, Tom Hanks zeigte die Bedrohung für die Jugend, die durch „Dungeons and Dragons“ ausging, Clint Eastwood erledigte undiplomatisch Drogendealer und Chuck Norris… Naja, jeder Film von ihm war ein Hochlied auf die Republikaner. Hier haben wir halt den schwarzen Mann, ok die schwarze Frau, die mit ihrer Homosexualität die Welt bedroht.
Zum Glück erkannten damals schon intelligente Leute den Mist und brandmarkten ihn dafür. Heute kann man damit keinen Erfolg mehr haben, wie „Collateral Damage“ eindrucksvoll bewies.

„Red Sonja“ ist nicht der schlechteste Film, den ich in der letzten Woche gesehen habe. Den Titel hat „Schwerter des Königs“. Das heißt aber nicht, dass er gut oder auch nur zu tolerieren ist. Ich habe bereits oben geschrieben, was alles nicht stimmt.
Der Film ist handwerklich schlecht gemacht, leidet unter einer einfallslosen und schlecht erzählten Geschichte, die von den Schauspielern zu Tode getrampelt wird. „Red Sonja“ ist ein gutes Beispiel dafür, wieso Fantasy einen schlechten Ruf hatte, bis Peter Jackson mit „Der Herr der Ringe“ ankam.
Noch ein kleines Wort zu der Neuauflage mit Rose McGowan:
Ich habe wirklich große Hoffnungen für den Film. Die ersten Bilder und die Poster sehen eindrucksvoll aus. Rose McGowan passt ihn die Rolle und weiß sicher zu beeindrucken. Aber der Hauptgrund für meine gute Laune ist Robert Rodriguez, der derzeit mit „Predators“ beweist, dass er selbst eine für tot erklärte Franchise wiederbeleben kann.

Dieser Beitrag wurde unter Von der Müllhalde abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

10 Antworten zu Red Sonja

  1. Wortman schreibt:

    *boah* Da hast aber einen uralten Trash-Schinken ausgepackt…😉

    • biglars schreibt:

      Und wie. Diese Woche war halt den schlechten Filmen gewidmet und da ich es nicht über mich brachte, nach „Schwerter des Königs“ auch noch „Dungeons and Dragons“ zu schauen, nahm ich dann doch lieber die rote Sonja.

  2. christiansfoyer schreibt:

    Hach, ich weiß noch, damals in meiner „Schwarzenegger über alles“-Phase, da fand ich sogar „Red Sonja“ toll… wäre heute sicherlich nicht mehr so😉
    Bei Rodriguez‘ Version bin ich gespannt, ob und wann die überhaupt noch zustande kommt, das Projekt kommt ja seit zwei Jahren nicht so recht voran. Wird wohl nach neueren Aussagen von Rodriguez vom Abschneiden des „Conan“-Remakes abhängen, wann, ob und mit welchen Mitteln das ganze vor die Kamera geht

    • Wortman schreibt:

      Wie was wo… Rodriguez plant ein Remake von Conan/Red Sonja? Davon habe ich irgendwie gar nix mitbekommen…
      Conan wird nicht leicht zu toppen sein, der hatte irgendwie was. Bei Sonja traue ich ihm zu, dass er da was brauchbares zaubern würde.
      Was wohl Tarantino daraus machen würde?🙂

      • biglars schreibt:

        Es ist nur Red Sonja und der Film ist noch in der Planungsphase. Auf imdb.com kann man erste Poster und auch ein Bild sehen. Die Optik erinnert stark an „Sin City“. Ich fände es schön, weil ich die Comics sehr mag.
        Conan soll jetzt neu verfilmt werden mit dem großen dunkelhäutigen Typen aus „Stargate: Atlantis“.

      • christiansfoyer schreibt:

        „Conan“ wird gerade von Marcus Nispel gedreht, großes Hoffen auf einen guten Film dürfte der kaum wert sein, trotz ganz okayer Besetzung: immerhin gibt’s „Avatar“-Bad Guy Stephen Lang und „Hellboy“ Ron Perlman, sowie die für „Red Sonja“ vorgesehene Rose McGowan. Und auch Jason Momoa, der „große dunkelhäutige Typ aus „Stargate: Atlantis““ macht auf ersten Bildern ’n halbwegs überzeugenden Eindruck

      • biglars schreibt:

        Ron Perlman muss man außerhalb von „Hellboy“ mit Vorsicht geniessen. Ich kenne, wenn man von „Im Namen der Rose“und „Happy, Texas“ kaum gute Filme mit ihm. Wenn ich da nur an „Schwerter des Königs“ denke. Brrr….
        Oder „Mutant Chronicles“.
        Oder „Blade 2“.
        Beim ihm freue ich mich nur noch auf den Deutschlandstart der wirklich guten Serie „Sons of Anarchy“, die im Rockermilieu spielt. Aber leider hat die einen ähnlichen Gewaltgrad wie „The Shield“ und wird deswegen wohl nur auf DVD zu sehen sein.

  3. Wortman schreibt:

    @Biglars: Kannst ja auch noch „Wolfhound“ oder „Arn der Kreuzritter“ nehmen😉

  4. Wortman schreibt:

    Sin City gehört, wie The Spirit und Die Wächter, zu meinen großen Lieblingen. So müsste mir dann die neue Sonja theoretisch schon mal gefallen🙂

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s