KICK-ASS (Comic)

Man muss einfach hinsehen


Wie der aufmerksame Leser sicher bemerkt hat, steht oben im Titel „Teil 1“. Die Miniserie lief in den USA bis zum Februar dieses Jahres. Deshalb gibt es zwei Alben, wobei das zweite erst nächsten Monat, am 25.05. erscheint. Ich bespreche hier also nur die bereits erschienene Ausgabe, die ich bei der Preview zum Film (moviepilot.de sei Dank) gewonnen habe (in doppelter Ausführung, ich bin so gut).

Autor: Mark Millar
Zeichner: John Romita, jr.
Ursprüngliches Format: Miniserie, 8 Ausgaben von Februar 2008 bis Februar 2010

Inhalt
Dave Lizewski ist ein normaler, langweiliger Teenager, der sich nach etwas Außergewöhnlichem sehnt. Also besorgt er sich ein Kostüm und will als Superheld das Verbrechen bekämpfen.
Bei seinem ersten großen Einsatz wird er beinahe getötet. Nach monatelanger Reha kommt er wieder zurück. Als er einen Mann gegen Schläger verteidigt und dabei gefilmt wird, wird Kick-Ass zu einem Internetphänomen. Er legt sich ein MySpace-Profil zu, auf dem man ihm Aufträge zusenden kann.
So geht er los, um den Freund einer Frau zur Vernunft zu bringen, der sie belästigt. Doch der Mann ist ein Drogendealer und Kick-Ass landet mitten in dessen Versteck zusammen mit seiner Gang. Als die den Jungen fertigmachen wollen, taucht aus dem Nichts Hit-Girl auf. Die mit Obszönitäten um sich werfende Elfjährige metzelt mit ihren Katanas alle nieder, bevor sie zusammen mit Big Daddy verschwindet.
Dave ist von allem so verstört, dass er sein Kostüm an den Nagel hängen will, während sich die beiden anderen, mit Johnny G., dem größten Gangster der Stadt, anlegen.

Kommentar
Thematisch liegt „KICK-ASS“ auf einer Ebene mit „Wanted“. Es ist, wenn man es genau betrachtet, die andere Hälfte zu dem bereits besprochenen Heft. Wie ich das meine?
Also, in Millars Werken (die auf seinen eigenen Charakteren basieren / Ausnahme „Marvel 1985“) geht es um den Konflikt zwischen Comics und der Realität und wieso man diese nicht vermischen sollte. Seit Mitte der 1980er (1985 sogar exakt) hat sich in Comics der Trend entwickelt, die Figuren in Comics realistisch und düster zu zeigen. So wurde aus Bruce Banner (der Hulk) zu einem psychopathischen Missbrauchsopfer, Batman zu einem gebrochenen Mann und so weiter. Außerdem wurde das Element des Fantastischen aus den Heften entfernt und die Geschichten wandten sich alltäglicheren Problemen zu.
Millar empfand diesen Trend nie als besonders erstrebenswert. Das arbeitet er in seinen Geschichten auf.
In „Wanted“ hatten wir einen normalen Menschen, der herausfindet, dass er Superkräfte hat (also praktisch in einem Comic lebt). Doch statt den Menschen zu helfen, mutiert er zum Arschloch und lebt seine dunkelsten Fantasien aus. Es mag zynisch klingen, aber sobald ein Mensch Macht hat, wird er diese auch missbrauchen. Das entspricht der Realität und nicht die plötzliche Berufung zum Guten.
In „KICK-ASS“ geht es um einen normalen Jungen, der Superheld werden will (also das normale Leben in einen Comic verwandelt). Aber er wird trotz seiner guten Absichten kein strahlender Held, er überlebt seine Konfrontation mit ein paar einfachen Sprayern kaum. Die einzigen Leute, die effektiv gegen die Gangster vorgehen, sind (kleiner SPOILER-ALARM) selbst skrupellose Psychopathen. Auch hier bin ich ein wenig zynisch, wenn ich sage, dass dies der wahre Ausgang einer Superheldengeschichte in der Realität wäre.
Das war jetzt meine eigene Interpretation. Wenn ihr das anders seht, dann hinterlasst mir doch einfach einen Kommentar.
Der Comic selbst ist schön gezeichnet, die Geschichte spannend und lustig, die Charaktere (vor allem Dave) liebenswert. Schaut euch den Band mal im Laden an. Wer bereits „Wanted“ besitzt, kann auch ohne vorher einen Blick hineinzuwerfen direkt zugreifen.

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2 Antworten zu KICK-ASS (Comic)

  1. indiefreak schreibt:

    Du hast ja wirklich Ahnung von Comics, alle Achtung!

    Ich habe heute auch zum ersten Mal in Kick-Ass reingelesen. Trotz zynischen Humors hat der Comic nicht ganz den parodischen Charakter vom Film. Aber wirklich cool gezeichnet und z.T. ziemlich brutal.

    • biglars schreibt:

      Erstmal danke für das Kompliment.
      Leider kann man Sachen, die im Comic funktionieren, nicht auf den Film übertragen und umgekehrt. Aber gerade im zweiten Heft wird es sehr, sehr zynisch werden und das betrifft hauptsächlich Big Daddy. Ich hoffe ich spoilere nicht, doch ich denke, dass dort der Knackpunkt und die wirkliche Message liegt.

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