Wanted – der Comic

Wanted - der Comic (und O Mann, sehe ich heute mies aus)


Ursprüngliches Erscheinungsdatum und –Format: 6 Bücher Dezember 2003 – Februar 2005
Autor: Mark Millar (Marvel „Civil War“, „Kick-Ass“)
Zeichner: J.G. Jones

Inspiration und Umsetzung
Millar sagt, dass die Grundidee der Geschichte aus seiner Kindheit stammt. Er war in der ersten Klasse und fragte seinen ältesten Bruder, wieso es keinen Superman gab. Wieso die Welt (er wuchs in Schottland auf) so trostlos sei, während die Comics ein so schönes Bild zeichneten. Noch einmal, wir reden hier von einem kleinen Jungen, der die Hefte für die Realität hielt. Was machte jetzt sein Bruder? Er verarschte den kleinen, indem er sagte, dass die Superhelden im Kampf gegen die Schurken gestorben sein und die Comics eine Art Bericht ihrer Heldentaten.
Deswegen basieren die Hauptcharaktere auch alle auf Figuren aus dem DC-Universum (mit einer Anleihe von Marvel). So entsprechen
Fox – Catwoman
Professor Seltzer – Lex Luthor
Mr. Rictus – Joker (sieht aber eher nach Red Skull aus)
Doll-Master – Toyman
Deadly Nightshade – Poison Ivy
Fuckwit – Bizarro
Sucker – Parasite
Shit-Head – Clayface
Imp – Mr. Mxyzptlk
in ihrem Auftreten und ihren Fähigkeiten.
Aber damit hören die Bezüge zu anderen Comics nicht auf. In etlichen Panels kann man Schurken von DC und Marvel im Hintergrund sehen. Ein Cameo haben Poison Ivy und Mr. Freeze aus „Batman“, Brainiac und Darkside aus „Superman“, Shocker, der Geier und Carnage aus „Spider-Man“, Juggernaut und Scarlett Witch (ok, sie mischt auch bei den Guten mit) aus „X-Men“ und der bereits bekannte Abomination aus „Hulk“. Irgendwie haben sich auch Ghost Rider und der Wrestler „Big Poppa Pump“ Scott Steiner unter die Superschurken gemischt. Falls ich jemanden vergessen habe, schreibt es mir in den Kommentaren, ich bin nicht perfekt.
Eine schöne Anspielung auf Batman versteckt sich noch in Heft Nummer 4 „Verbrechen lohnt sich“, wenn Rictus die Eltern eines Jungen erschießt und dieser über den Leichen kniet wie damals Bruce Wayne. Außerdem sagt Rictus, dass der Junge jetzt „18 Jahre trainieren wird, um diese Idioten zu rächen.“.
Das Aussehen von Wesley Gibson und Fox wurde dem Eminems bzw. Halle Berrys nachempfunden.
Zum Schluss noch wurde auch das Jahr 1986 nicht durch Zufall als Ende der Superheldenära gewählt. In diesem Jahr erschienen nämlich „Watchmen“ von Alan Moore und „Der dunkle Ritter kehrt zurück“ von Frank Miller, außerdem endete der DC-Event „Crisis on Infinite Earths“. Diese Serien beendeten mehr oder weniger die fantastischen Geschichten in Superheldencomics und setzten den Trend zu realistischeren und düstereren Storys.

Inhalt
Wesley Gibson lebt ein normales, langweiliges Leben. Er hat einen Job, den er hasst, eine Freundin, die ihn betrügt, und den Arsch voll Probleme. Seine Welt wird auf den Kopf gestellt, als er die schöne Fox kennenlernt. Die sagt ihm, dass es Superhelden gab, doch diese wurden von den Schurken besiegt und man löschte die Erinnerung an sie. Wesley sei der Sohn des verstorbenen „Killers“ und er solle nun seinen Platz einnehmen.
Alles wird komplizierter, als es zu einem blutigen Machtkampf zwischen den Oberhäuptern der jetzt regierenden Schurkenbruderschaft kommt.

Kommentar
Eines vorweg: „Wanted“ ist absolut nichts für Zartbesaitete. Es werden auf den Seiten Dinge gezeigt, die man nur als widerwärtig und krank bezeichnen kann. Wenn es ein Comic (abgesehen von denen aus Japan, die etwas mit Tentakeln und Schulmädchen zu tun haben) gibt, dass nur für Erwachsene ist, dann ist es das Werk von Millar.
Davon abgesehen ist „Wanted“ eines der bedeutendsten Comics der letzten Jahre. Ich sehe es auf einer Stufe mit „Watchmen“. Wie das Meisterwerk von Moore arbeitet das Buch auf mehreren Ebenen.
Da ist die Geschichte, die brachialer, brutaler und härter rüberkommt als alles, was ich bis jetzt gelesen habe. Und ich bin ein fanatischer Fan des Punishers. Jeder hat sich mal vorgestellt, wie es wäre, ein Superheld zu sein, und man erlebt diese Fantasie durch Wesley. Zwar nicht als Held, aber als Schurke. Und seit GTA wissen wir, dass es auf der anderen Seite doch irgendwie lustiger ist.
Außerdem wird gezeigt, wie brutal und primitiv die Menschen sein können, wenn sie keinerlei Konsequenzen zu fürchten haben. Denn was macht Wesley, nachdem er seine Kräfte entdeckt? Er zieht mordend, vergewaltigend und stehlend durch die Stadt. Alle seine Taten werden von der Bruderschaft gedeckt. Ein Bezug zur Realität sehe ich den Folterskandal im Irak oder das Verhalten der Söldner dort.
Zum Schluss haben wir noch die Kritik an dem „Realismus“ in den Comics. Für Millar (und auch für mich selbst) sind Comics etwas fantastisches, eine vollkommen andere, aufregende Welt. Leider wurde diese durch den Trend zu düsteren, „realistischeren“ Geschichten fast zerstört. Jeder Held musste auf einmal ein psychopathisches Wrack sein, von inneren Dämonen gequält. Ich habe nicht per se etwas dagegen, wenn es zur Figur passt. Aber bei vielen (ein Beispiel ist „der Hulk“) ist es nur überflüssig und macht die Magie kaputt.
Jeder sollte einmal das Buch in die Hand nehmen und durchblättern. Ich wette, die meisten von euch werden sehr schnell damit zur Kasse gehen. Es ist so gut und fesselnd. Glaubt mir.

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