Diskussion um Videospiele

Nachdem ich in den letzten Tagen immer wieder wüste Attacken gegen Videospiele lesen musste, sehe ich mich gezwungen, vom normalen Thema des Blogs, die Filme, abzuweichen und über Videospiele und deren Beitrag zum Weltuntergang zu schreiben.
Für mich ist diese Diskussion ein Teil des Konflikts zwischen den Generationen. Es ist nicht wirklich neu, dass in der Öffentlichkeit ein Medientrend der Jugend (ich lasse hier mal Mode außen vor) verdammt wird. In den 1950ern war es der Rock’n’Roll (ich nenne Elvis und sein Becken als Beispiel), der den Geist der Jugend vergiftete und der Amoralität Tür und Tor öffnete. In den 1960ern war der Rock (Rolling Stones, Beatles) noch immer dafür verantwortlich. In den 1970ern geriet der Heavy Metal ins Visier der Moralapostel. Bands wie KISS würden die Kinder unter anderem zum Satanismus verleiten. Ende des gleichen Jahrzehnts war es (in den USA) das (einmal Luft anhalten) Pen and Paper Rollenspiel „Dungeons & Dragons“, das zum einen aus den Jugendlichen Teufelsanbeter machte und zum anderen zu Realitätsverlust und Gewalttätigkeit führte. Es gibt darüber sogar den Film „Mazes and Monsters“ mit Tom Hanks.
Von jetzt an nimmt die Anzahl der Boten der Apokalypse rapide zu. Da waren in den 1980ern die Videos, Computerspiele in den 1990ern (noch nicht ganz so vehement damals) und dann in schneller Abfolge Gangsta-Rap, Handys, das Internet, Harry Potter (wieder die Satanismus-Geschichte) und nun halt wieder Videospiele.
Trotz all dieser Dinge steht die Welt noch immer. Wir sind nicht zu vollkommenen Wilden verkommen, die den Satan anbeten und uns mit Schwertern die Köpfe einschlagen. Das liegt vor allem daran, dass die Jüngeren (unsere Eltern und Großeltern) damit aufwuchsen, ein normales Verhältnis dazu aufbauten. Ich sage mir deswegen immer wieder im Stillen vor, wenn mein Blutdruck wegen der keuschen Discokugelvampire in ungeahnte Höhen schnellt: „Es ist normal, dass ich damit nichts anfangen kann.“.
Sollten wir diese Diskussion um die Videospiele einfach in der Hoffnung übergehen, dass sich das Thema von alleine erledigt? Die Antwort darauf heißt klar und eindeutig „Nein“. Denn im Gegensatz zu der Musik und den Büchern unterliegen Videospiele dem strengsten Jugendschutz der Welt. Das Gesetz hat bereits mehr als nur ein Auge darauf und somit ist eine Diskussion um den Schutz der Jugend überflüssig.
Der Schlüssel liegt hier in dem Begriff „Jugend“. Ich will hier nicht bestreiten, dass Ego-Shooter wie z.B. „Call of Duty: Modern Warfare 2“ oder „Battlefield: Bad Company 2“ nicht im geringsten für Kinder geeignet sind. Deshalb gibt es ja den Jugendschutz.
Alle Spiele (wie auch Filme) werden mit einer verbindlichen Altersfreigabe versehen. Sie steht gut lesbar auf einem großen Aufdruck auf der Front der Verpackung und auf dem Medium selbst. Geht man an die Kasse, geht bei Titeln „ab 16“ und „ab 18“ ein Fenster auf dem Kassenbildschirm auf, das die Kassiererin / den Kassierer auffordert, den Ausweis des Käufers zu kontrollieren. Ich werde noch immer nach meinem gefragt, obwohl ich 29 Jahre alt bin. Bestellt man ein Spiel online bei Amazon, das mit „keine Jugendfreigabe“ gekennzeichnet ist, muss man seinen Ausweis bei der Auslieferung vorzeigen und das Spiel persönlich in Empfang nehmen (was nervt, wenn man morgens unterwegs ist). Ansonsten passiert bei Zahlung mit Kreditkarte mit Altersabfrage automatisch.
Aus technischer Sicht ist es also für die Kinder sehr schwer von alleine an diese Spiele zu kommen. Meistens kriegen sie diese von ihren Eltern oder Verwandten. Diese Leute interessieren sich anscheinend nicht sonderlich für das Wohl ihrer Kinder. Dort muss ein Umdenken einsetzen. Aber das erreicht man nicht mit Verboten, wie immer gefordert, sondern durch Aufklärung. Schafft ein Bewusstsein, dass es falsch ist, seinen Kindern Spiele dieser Art zu geben.
Mit einem Verbot trifft man nur die Mehrheit der verantwortungsvollen Spieler. Ich rede hier von erwachsenen, mündigen Bürgern (wie ich einer bin), denen hier Inhalte vorenthalten werden. Denn es werden bereits Filme und Spiele geschnitten, damit sie Kindern nicht schaden, die von Anfang an nicht für sie gedacht sind und auch keine Jugendfreigabe haben. Um es etwas zu vereinfachen: Ich darf ein Auto fahren, hochprozentigen Alkohol trinken, Schusswaffen erwerben und mich bei der Bundeswehr verpflichten, um in Afghanistan meinen Dienst zu leisten, aber ich darf nicht ein vollständiges Spiel zocken? Oder sehen wie der Schauspieler Sylvester Stallone in der Rolle des „John Rambo“ auf Statisten mit Platzpatronen schießt? Wo ist denn bitte da die Logik?
Ok, bevor ich abschweife und mich über die Politik in Deutschland aufrege, sollte ich mich wieder auf das Thema konzentrieren.
Ein weiterer Punkt, der mich in der Diskussion sauer aufstößt, ist der Tonfall, in dem das Ganze von der Seite der Videospielgegner geführt wird. Diese hüllen sich gerne in den Mantel der moralischen und intellektuellen Überlegenheit, um auf die bedauernswerten Spieler hinabzuschauen. Sie verdammen diese, rücken die Gamer an den Rand der Kriminalität.
Aber sollte nicht eigentlich der Stärkere dem Schwächeren helfen? Ist dies nicht eine moralische Verpflichtung? Sollte man dem geistig Unterlegenen nicht Wege aufzeigen, aus diesem Loch herauszutreten? Damit dieser das gleiche Niveau wie man selbst erreicht?
Die richtige Antwort lautet erneut „Ja“. Aber von den Kritikern kommen keinerlei Bemühungen in diese Richtung. Sie igeln sich ein und schreien von ihrem Berg der vermeintlichen Überlegenheit Hetztiraden nach Hetztiraden herunter. Dies verbessert nicht die Stimmung, nein, sie wird vergiftet.
Außerdem finde ich es mehr als nur bedenklich, dass diese Menschen sich immer nur an die Öffentlichkeit wagen, nachdem es große Tragödien gegeben hat. Diese Kritiker versuchen, Politik über das Leid und die Trauer der Hinterbliebenen zu machen. Sie instrumentalisieren die Opfer und ihre Angehörigen.
Und ist das nicht die wahre Amoralität?

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2 Antworten zu Diskussion um Videospiele

  1. morecomp schreibt:

    Guter Artikel, es sind doch die Waffen und nicht die Spiele die Leute umbringen. Es sind doch sehr wenige bisher von Computerspielen erschlagen worden aber dafür viele von Waffen die falsch oder unbeaufsichtigt gelagert wurden erschossen worden.

    Das ist typisch die deutsche Politik, anstatt man sich das eigene Versagen eingestehen müsste, wird der schwarze Peter einfach weiter geschoben. Ich habe damit nichts am Hut.

    Ich spiele übrigens nicht mehr und ich muss sagen, früher fand ich das auch lustig aber es liegt bestimmt nicht an den Spielen das Jugendliche austicken. Heute liegt es an unserer Welt die manchen einfach keinen Ausweg lässt. Wir sind gefragt, dass wir solche Dinge früh genug erkennen und wir dagegen vorgehen können und solche Politiker Pflaumen nicht nocheinmal gewählt werden aber scheinbar können wir hier in Deutschland auch nur zwei Parteien wählen und es kommen irgendwie immer die gleichen Versager dran.

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