Oscars 2010

Am Sonntag fand wie jedes Jahr in Hollywood die Oscar-Verleihung statt. Und wenn ich ein ernstzunehmender Filmblogger sein will, sollte ich auch zumindest kurz auf dieses Ereignis eingehen. Ich versuche mich kurz zu fassen, schreibe nur über die sechs Kategorien, die alle interessieren (bester Film, beste Regie, bester männlicher Hauptdarsteller, beste weibliche Hauptdarstellerin, bester männlicher Nebendarsteller und beste Nebendarstellerin), und lehne mich zurück, um den Flame-War zu genießen.

Bester Film – „The Hurt Locker“ (Tödliches Kommando)
Und schon geht es los. Damit wir uns nicht falsch verstehen, ich habe mir den Film auf DVD angeschaut und fand ihn sehr gut. Nur schon direkt nach dem Ansehen, als ich mir Stichpunkte für eine Kritik machen wollte, fiel mir das große Problem des Films auf: Er hat keine Story. Wirklich, es gibt keine durchgehende Handlung, nur ein Einsatz des Bombenteams nach dem nächsten. Es findet keinerlei Erzählung statt, sondern es wirkt mehr wie ein Bericht. Für eine Doku ok, aber für einen Spielfilm?
Das Problem kann man hier an dem Drehbuchautor festmachen, der als Journalist im Irak die amerikanischen Truppen begleitete. Er ist jemand, der nur über Geschehnisse berichtet, sie aber nicht erzählt. Dadurch hat man leicht das Gefühl keinen zusammenhängenden Film zu schauen, sondern nur eine Abfolge von Ereignissen.
Ich erwarte da von einem „besten Film“, dass er mir in der Beziehung schon etwas mehr bietet. Ich möchte eine Handlung, eine Geschichte, an die ich mich noch erinnere, wenn ich in zwei Jahren in der Videothek an der Box vorbeigehe.
Das heißt jetzt nicht, dass ich den Preis an „Avatar“ verliehen hätte. Der hatte zwar eine Story (wenn auch schon eine bekannte), aber auch dieser Film war nicht der beste des letzten Jahres. James Cameron ist ein Genie darin, eine einfache Geschichte aus einem Genre mit großen Effekten in ein anderes zu packen. „Terminator“ ist im Grunde nichts anderes als ein „Slasher“ (als SciFi getarnt), „Aliens“ ein Kriegsfilm (SciFi), „Titanic“ ein Liebesdrama (als Katastrophenfilm) und „Avatar“ halt ein Western mit großen blauen Aliens. Wer jetzt was anderes erwartete, ist selbst schuld.
Den Hass, den sich der Film zugezogen hat, kann ich einfach nicht verstehen. Man wusste, was kommen würde. Cameron würde das Rad nicht neu erfinden (hat er auch noch nie). Die Beschwerden über CGI konnte ich noch nie nachvollziehen. Die Computeranimation ermöglicht den Filmemachern, Projekte zu realisieren, die ohne nicht möglich wären. Wer will den auf „Herr der Ringe“ verzichten? Oder „Big Fish“? „Spider-Man“? Alles Filme, die ohne diese Technik nie möglich gewesen wären.
Für mich ist jetzt „Avatar“ nicht der beste Film, weil er mich nicht dauerhaft bewegen konnte. Ich war begeistert, als ich das Kino verließ. Es ist Popcorn-Kino vom Feinsten. Die Technik hat mich begeistert, die Special Effects sind bahnbrechend und werden das Kino so verändern, wie es vorher „Matrix“ gemacht hat. Aber auch hier, nicht das, was ich von einem Gewinner des „besten Films“ erwarte. Meine Wahl wäre hier auf „Inglourious Basterds“ (Ich weiß, ich habe den Titel an anderer Stelle „falsch“ geschrieben. Ich verfluche meine Schulbildung auch dafür). Die Geschichte ist spannend, die Charaktere sind gut geschrieben, die Dialoge intelligent und bissig. Über die Leistung der Darsteller sage ich später etwas.

Beste Regie – Kathryn Bigelow „The Hurt Locker“
Kann nicht meckern. Wirklich nicht. Bigelow zeigt, dass sie eine sehr gute Action-Regisseurin ist und holt wirklich das Maximum aus dem kleinen Budget raus. Spielte ihr Geschlecht eine Rolle? Vielleicht, aber zu politischen Entscheidungen komme ich später.
Sie hat es verdient und war auch in meiner Einschätzung vorne, vor Quentin Tarantino.
James Cameron kam als dritter ins Ziel.

Bester Hauptdarsteller – Jeff Brigdes „Crazy Heart“
Hier kann ich nichts zu sagen. Der Film ist am Donnerstag gestartet, ich habe ihn noch nicht gesehen. Ich kenne Bridges als sehr guten Darsteller, der immer alles aus sich herausholt. Vom Gefühl her verdient.

Beste Hauptdarstellerin – Sandra Bullock „The Blind Side“
Ich kann hier wieder nicht wirklich etwas sagen. Der Film startet hier in Deutschland erst in drei Wochen, also muss ich mit meinem Urteil warten.
Was aber die Wahl begünstigt haben kann, ist das Thema des Films. Amerikaner lieben Sportlerdramen. Wenn man das noch mit einem sozialen Touch versieht, hat man eigentlich alles richtig gemacht. Sandra Bullock kann mehr als romantsche Komödien und wenn man Julie Roberts, die weniger draufhat, einen Oscar gibt, wieso dann nicht auch „unserer“ Sandy?

Bester Nebendarsteller – Christoph Waltz „Inglourious Basterds“
Wer hätte gedacht, dass dieser kleine Mann so furchteinflößend sein kann? Waltz spielt seine Figur so subtil einschüchternd, dass man es mit der Angst zu tun kriegt. Er schreit nicht rum, er stößt keine wilden Drohungen aus, doch trotzdem versetzt er alle seine Gesprächspartner in die Defensive. Er kann mit einfachen Gesten, wie einem Stück Kuchen essen, eine solche Spannung bei seinem Gegenüber erzeugen, dass man denkt, der andere zerbricht.

Beste Nebendarstellerin – Mo’Nique „Precious – based on the novel Push by Sapphire“
Ich fand es lustig. Ich fand die Rede der Dame war pures Comedy-Gold. Als sie sagte, dass ihr Sieg nicht politisch sei, sondern wegen ihres Talents, kriegte ich einen Lachkrampf.
Da ist also diese Frau, die als Schauspielerin in Perlen wie „Bierfest“ oder „Phat Girlz“ oder „Domino“ mitspielte und mit ihrer Leistung selbst diese unterirdischen Machwerke (ok, bei „Bierfest“ kann ich wegen der miesen rassistisch-stereotypischen Deutschenwitze lachen) noch verschlechterte und ansonsten hier in Deutschland aus dem wirklich beschissenen Reality-Format „Charm School“ auf Mtv bekannt ist, und gewinnt einen der bedeutendsten Filmpreise. Wie das angeht?
Dieses Melodrama mit dem unendlich langen Titel wurde von der mächtigsten Frau in den USA mitproduziert. Nein, ich meine nicht Hillary Clinton, sondern Oprah Winfrey. Diese Talkmasterin kann mit einem Wort Karrieren entstehen und enden lassen. Wenn sie etwas sagt, gilt das drüben als Gesetz.
Wer jetzt glaubt, dass sie ihren Einfluss nicht ein wenig geltend gemacht hat, ist naiv.

So, das waren meine Gedanken zur Oscar-Nacht. Ich würde mich über ein Feedback freuen. Als nächstes steht auf dem Programm: „Hulk“ vs. „The incredible Hulk“.

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4 Antworten zu Oscars 2010

  1. christiansfoyer schreibt:

    zu „The Hurt Locker“ hab ich ja schon auf meiner Seite was gesagt. Das der Film „nur über Geschehnisse“ berichtet halte ich für eine absolute Stärke, denn das passiert, auch durch die mehrmalige Wiederholung, in einer zermürbenden Intensität, die den tagtäglichen Wahnsinn, dem sich diese Männer stellen müssen, großartig vermittelt.
    Zur Kategorie Beste Nebendarstellerin: sorry, aber da würde ich dir nun nicht unbedingt zustimmen wollen. Die Mo’nique hat neben dem Oscar auch so ziemlich jeden anderen Award in diesem Jahr abgestaubt, bei kleinen wie großen Veranstaltunge, außer- und innerhalb Amerikas und da kann nun wirklich nicht überall die gute Oprah die Finger im Spiel gehabt haben. Hast du „Precious“ denn gesehen und kannst mit Sicherheit sagen, dass ihre Leistung das Niveau der von dir genannten, zugeben nicht gerade rühmlichen, Beispiele nicht übersteigt?

    • biglars schreibt:

      Oprah Winfrey ist in den USA die Mediengestalterin. Bücher, die sie empfiehlt, werden zu Bestsellern, Schauspieler, die sie hofiert, werden plötzlich in Rollen besetzt, an die sie eigentlich nicht herankommen sollten, und wenn man bei ihr auf der schwarzen Liste ist, hat man auch mehr oder minder in den USA ausgespielt. Die Frau bewegt mehrer Milliarden Dollar. Willst du ernsthaft behaupten, dass dieser Film, mit einem Plot, der selbst einen Soap Opera zu peinlich wäre, überhaupt beachtet worden wäre, wenn Oprah nicht die Strippen gezogen hätte? Oder vielleicht ist es so, dass man sich einfach nur gewundert hat, dass die gute Mo’Nique vielleicht mehr kann als nur blöd in die Kamera zu schauen.
      Ich fand es halt lustig, dass sie meinte, es wäre alles der Verdienst ihrer Leistung.
      Zu „Hurt Locker“: Ich spreche den Film in keinster Weise Qualität ab. Nur ich finde, dass ein Film, der mit dem Oscar in der wichtigsten Kategorie ausgezeichnet wird, mehr zu bieten haben sollte als nur diese Sequenzen. Oder willst du behaupten, dass „Hurt Locker“ auf dem gleichen Level wie seine Vorgänger ist?
      Ich denke, das letzte Jahr war insgesamt gesehen schwach und man hat sich hier auf den Film geeinigt, den man am besten als Sieger akzeptieren konnte. Mittlerweile sollte man vielleicht mal nicht nur den Abstimmungsmodus, sondern auch die Kategorien über denken. Bei der ersten Oscar-Verleihung gab es de Kategorie „bester Film“ noch gar nicht. Es gab „best picture production“, der an „Wings“, eine 2 Millionen Dollar teure Produktion (wir reden hier von 1927) ging und „best picture unique and artistic performance“, der an „Sonnenaufgang – Ein Lied von zwei Menschen“ vergeben wurde.
      Wenn wir das wieder einführten, könnte man eine fairere Vergabe der Preise haben.

  2. christiansfoyer schreibt:

    Also ich will mich ja nun wirklich nicht zum Verteidiger des Imperiums Oprah Winfrey aufschwingen, aber solange du „Precious“ nicht gesehen hast ist das doch hinsichtlich der Qualität des Films und der darstellerischen Leistung alles nur Behauptung. Ein Oscar, oder Filmpreise im allgemeinen, sollen ihrem Zweck nach die beste Leistung des Jahres auszeichnen. Wie oft sie das tatsächlich tun, sei mal dahingestellt, aber zumindest kann es ja nicht heißen, die hat bis jetzt nur Mist in Drecksfilmen gespielt, drum gibt’s jetzt auch nicht den Preis, selbst wenn er verdient wäre. Welcher Oscar-Preisträger hat denn nicht wenigstens einen Schrottfilm in seiner Vita? Fällt mir keiner ein. Und bei Bullock und Bridges kannst du dir doch auch ungesehen vorstellen, dass deren Leistungen oscarreif waren, obwohl sowohl „Crazy Heart“, als auch „The Blind Side“ nun nicht gerade durch komplexe Plots auftrumpfen.
    Behaupten will ich nebenbei gar nix, aber was „The Hurt Locker“ angeht: ja, den halte ich für einen absolut würdigen Besten Film, und das ist keine Behauptung, sondern ’ne Meinung😉

    • biglars schreibt:

      Vielleicht hat sie ihn verdient, vielleicht auch nicht. Kann ich persönlich nicht sagen. Vielleicht war es auch nur eine „das geringere Übel“ Entscheidung.
      Aber halt der erste Satz ihrer Rede, es sei im Hintergrund NICHTS passiert, brachte mich in Rage. Sie will wirklich behaupten, da sei nichts passiert? Kein „Danke“? Oder „Danke Gott“? Sondern „Ich habe den Preis gekriegt, nicht wegen Politik sondern wegen meines Talents“? Hmmm, komisch…
      Nochmal zu „Hurt Locker“: Guter Film, aber sicher nicht der beste des letzten Jahres. Aber wenn wir alle einer Meinung wären, dann wäre es sehr langweilig.

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