300 – Der Comic

Ich und 300

Damit Ihr, meine geschätzten Leser, auch seht, dass ich die Bücher, über die ich schreibe, auch wirklich gelesen habe, werde ich ab jetzt immer mich mit dem Comic ablichten und hier reinstellen.

Ursprüngliches Erscheinungsdatum und –Format: Mini-Serie 5 Ausgaben Mai-September 98
Autor / Zeichner: Frank Miller
Colorist: Lynn Varley

Auszeichnungen:
Will Eisner Award für:
-Beste Mini-Serie
-Bester Zeichner
-Bester Texter
-Beste Colorierung
Harvey Award für:
-Beste Mini-Serie
-Beste Colorierung

Kontroverse
Alan Moore (Autor von „Watchmen“, „V wie Vendetta“, „Die Liga der außergewöhnlichen Gentleman“, etc.) kritisierte Miller als historisch nicht akkurat, speziell das in „300“ gezeigte Bild von Homosexualität im antiken Griechenland. Er sprach auf ein Panel der ersten Ausgabe an, in dem Leonidas die Athener abfällig als „Knabenliebhaber“ bezeichnete. Moore meinte, dass damit weniger der genaue Umgang mit der Materie als Millers eigene Meinung zum Ausdruck käme.
Miller antwortete in einem offenen Brief, dass er sich der offenen Homosexualität bewusst sei. Die Spartaner hätten nach außen hin zu dem Thema gelogen. Es sei also kein großer Gedankensprung, wenn sie sich auf diese Weise über ihre Rivalen, die Athener, lustig machten. Denn der Begriff der „Heuchelei“ (engl. Hypocrisy) stamme schließlich aus dem Griechischen.

Inspiration
Frank Miller nennt als Hauptinspiration für sein Werk den Film „Der Löwe von Sparta“ von 1962, den er als Junge im Kino sah. Dieser Film löste bei ihm eine lebenslange Faszination für dieses Thema bei ihm aus. Die Schlacht bei den Thermopylen erwähnt er noch in anderen Werken, wie z.B. „SinCity“.
Der historische Hintergrund
480 v. Chr. drohten die Perser unter Xerxes mit ihrem riesigen Heer (die aktuellen Schätzungen liegen zwischen 50000 und 100000 Soldaten) Griechenland zu überrollen. König Leonidas von Sparta wurde als Oberkommandant von 5200 Mann (davon 300 Spartaner) bestimmt. Am Pass bei den Thermopylen baute er einen Hinterhalt auf. Sie hielten zwei Tage durch und fügten den Persern schwere Verluste zu.
Die Wende brachte Ephialtes von Trachis, der den Persern einen Umgehungsweg zeigte. Leonidas schickte im Bewusstsein der drohenden Niederlage einen Großteil der Truppen weg und blieb mit den 300 Spartanern und 700 weiteren Kämpfern zurück, um den Rückzug zu sichern. Er und seine Soldaten kamen dabei ums Leben.

Comic Inhalt
Der Comic folgt relativ genau der Geschichte von Leonidas. Der Herrscher Spartas lehnt das Angebot Xerxes’ ab, sich den Persern zu unterwerfen. Stattdessen zieht er mit 300 Spartanern aus, um sich dem riesigen Heer zu stellen. Auf ihren Weg zu den Thermopylen, wo sie einen Hinterhalt planen, schließen sich ihnen mehrere hundert Freiwillige an.
In dem engen Pass gelingt es ihm, dem andauernden Ansturm der Perser standzuhalten und ihnen schwere Verluste zuzufügen. Das Schlachtenglück wendet sich erst, als der missgebildete Ephialtes, aus Enttäuschung, dass er nicht auf der Seite der Spartaner kämpfen durfte, einen versteckten Pfad an Xerxes verrät. So können die persischen Truppen die Blockade umgehen und die Spartaner einkreisen.
Leonidas schickt vor der entscheidenden Schlacht den verwundeten Dilios in die Heimat zurück. Als die Spartaner von den Persern eingekesselt werden, gibt Xerxes Leonidas eine weitere Möglichkeit, sich zu ergeben. Dieser geht zum schein darauf ein, nur um dann das Zeichen zum Angriff zu geben und selbst einen Speer auf den persischen König zu werden. Er will ihn nicht töten, sondern nur verletzen. Er will ihm damit seine Sterblichkeit verdeutlichen. Es gelingt Leonidas, aber er stirbt im Pfeilhagel.
Die Geschichte endet, als Dilios ein Jahr später seinen Soldaten kurz vor der Schlacht gegen die Perser diese Geschichte erzählt.

Kommentar
„300“ von Frank Miller ist eines der besten Comics der letzten Jahre. Es ist keine historisch-akkurate Nacherzählung der Schlacht, sondern eine literarische Interpretation („Inglourious Basterds“ z.B.). Miller nimmt sich einige Freiheiten, um die Geschichte spannender zu machen.
Die künstlerische Gestaltung ist hervorragend. Wurde in den Einzelausgaben alles in Doppelseiten gedruckt, hat man in der gebundenen Ausgabe ein Querformat verwendet. Der Zeichenstil erinnert stark an seine Arbeit in „SinCity“ (auch wenn hier der Comic in Farbe ist).
Ich bin ein großer Fan von Frank Miller, auch wenn er manchmal deutlich daneben schlägt. Die Allstar-Batman Serie ist ein absoluter Reinfall, „Der dunkele Ritter schlägt zurück“ auch keine besondere Perle und sein Ausflug auf den Regiestuhl mit „The Spirit“ war grauenhaft. Hier jedoch zeigt er sich von seiner besten Seite. Er schafft in Leonidas einen starken, harten und überlebensgroßen Helden. Dieser agiert in einer Geschichte von epischen Ausmaßen, wie sie selten noch erzählt wird.
Ich kann jedem nur empfehlen, zumindest mal einen Blick in das Buch zu werfen. Eine Kaufempfehlung kann ich bei dem doch recht happigen Preis von gut 30€ nur den absoluten Fans des Films oder des Autors aussprechen.

Dieser Beitrag wurde unter Hintergründe abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu 300 – Der Comic

  1. Sparta schreibt:

    Hallo Lars,
    das Cover sieht zumindest ansprechend aus. Dass es keine akurate Nacherzählung ist, ist klar. Finde es immer wieder erstaunlich, dass die Menschen das erwarten (eher auf den Film bezogen, mit Comics bin ich weniger vertraut).

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s