Fast Food Nation

Fast Food Nation Poster

Hallo und herzlich Willkommen zu „Filmemachen für Anfänger“, der Einführungskurs. Wir wollen hier kurz auf einige wichtige Schritte eingehen, die Sie befolgen sollten, wenn Sie einen Film drehen möchten.

1. Der Titel
Bei der Wahl ihres Titels sollten Sie zwei grundsätzliche Ratschläge berücksichtigen. Erstens sollte der Titel thematisch zu ihrem Film passen. Er sollte sich auf die Handlung beziehen, aber nicht die wichtigen Elemente der Handlung preisgeben. Zweitens sollte der Zuschauer durch den Titel bewegt werden, sich den Film anzuschauen. Der Titel muss das Interesse wecken.
2. Das Drehbuch
Wir werden hier auf einige Punkte eingehen, die alle darüber entscheiden, ob ihr Film ein Erfolg wird oder nicht.
2.1 Die Handlung
Halten Sie die Handlung des Films so einfach wie möglich. Finden Sie einen Haupthandlungsstrang, dem man folgen kann, und tun Sie dies auch. Die Nebenhandlung kann danach integriert werden. Bei dieser gilt, neben der Nachvollziehbarkeit, dass die Anzahl der Nebenhandlungen beschränkt sein sollte. Zu viele lenken vom eigentlichen Geschehen ab.
Sollten Sie ein bereits existierendes Buch verfilmen wollen, halten Sie sich so nah wie möglich an die Vorlage. Abweichungen werden im Allgemeinen von Anhängern des Buches nicht gerne gesehen.
2.2 Die Hauptcharaktere
Suchen Sie sich als Hauptfiguren ihrer Handlung Charaktere aus, mit denen sich das Publikum identifizieren kann. Diese sollten einen Hintergrund haben, der dem Publikum bekannt ist. Es sollten Probleme besprochen werden, die dem Publikum bekannt sind.
Falls Sie diesen Weg nicht gehen, müssen Sie deutlich mehr Aufbauarbeit leisten. Stellen Sie dem Publikum die Hauptfiguren ausführlich vor, beleuchten Sie ihre Welt, ihre Hoffnungen und ihre Ängste.
Der Zuschauer muss sich in jedem Fall mit den Charakteren identifizieren und eine persönliche Bindung aufbauen, ansonsten wird er dem Film wenig entgegenbringen.
2.3 Die Nebenfiguren
Wie der Name schon sagt sind diese Figuren nicht mit der gleichen Sorgfalt zu behandeln wie die Hauptcharaktere. Sie müssen zwar nicht so ausgearbeitet sein, sollten aber keinesfalls flach oder unglaubwürdig wirken.

So, Sie haben die Arbeiten an Ihrem Drehbuch abgeschlossen und wollen mit der Produktion beginnen. Doch auch hier müssen Sie einiges beachten, um Ihrem Projekt zu dem gewünschten Erfolg zu führen.

3. Die Besetzung
Wenn Sie die Rollen besetzen, achten Sie darauf, dass die ausgewählten Schauspieler a) den Anforderungen der Rollen genügen und b) über genug Talent verfügen, den Film zu tragen. Fehlbesetzungen können ein ansonsten gutes Ensemble ruinieren.
Aus kommerziellen Gesichtspunkten ist es immer von Vorteil, bekannte Schauspieler zu besetzen. Alleine ihr Name kann zusätzliche Zuschauer anziehen, die ohne den Schauspieler Ihren Film nicht sehen würden. Sie sollten dabei jedoch beachten, dass das Publikum erwartet, auch wirklich den Schauspieler zu sehen. Falls Sie den bekannten Darsteller nur in einem Kurzauftritt („Cameo“ genannt) einsetzen, sollten Sie davon absehen, seine Präsenz in den Trailern, auf den Postern oder sonst irgendwie zu bewerben. Es könnte den Zuschauer mehr als nur irritieren, wenn sein geliebter Filmheld nur fünf Minuten auf der Leinwand zu sehen ist.
4. Die Dreharbeiten
Da anscheinend noch immer einige Menschen Probleme mit diesem Konzept haben, müssen wir es verdeutlichen: Film ist ein visuelles Medium.
Wenn etwas passieren soll, sollten Sie es zeigen. Man muss hier nicht auf Tricks wie im Theater zurückgreifen, wie z.B. Teichoskopie (zwei Figuren beschreiben, was abseits der Bühne geschieht). Sie können, falls Sie gewisse Szenen nichts selbst drehen wollen, Archivmaterial benutzen.
Für den Fall, dass Sie weder über das Budget verfügen noch Archivmaterial nutzen wollen, verzichten Sie darauf, dies überspielen zu wollen. Der Zuschauer wird nicht erfreut reagieren, wenn Sie nur von etwas hören, statt es zu sehen.
Wir hoffen, Sie haben unsere Einführung aufmerksam verfolgt und Lehren für Ihr späteres Schaffen gezogen. Falls Sie noch weitere Informationen wünschen, belegen Sie bitte einen Fortgeschrittenenkurs.

So oder so ähnlich stelle ich mir einen Anfängerkurs vor. Einfache Ratschläge, die man leicht und einfach befolgen kann, komprimiertes Wissen zur schnellen Anwendung. Anscheinend haben die Macher von „Fast Food Nation“ einen solchen Kurs besucht.
Der Film basiert auf dem gleichnamigen Sachbuch, in dem die Missstände der Fast-Food- und Fleischverarbeitungsindustrie angeprangert werden. Man hat sich gegen eine Dokumentation entschieden, was nicht wirklich schlimm ist. David Fincher hat in seinem Film „Zodiac“ gezeigt, dass man auch ein Sachbuch spannend und fesselnd verfilmen kann.
Als erstes verleitet der Titel. Es wird zwar angesprochen (ok, besser wäre „erwähnt“), wie schlecht die Zustände im Gewerbe des schnellen Essens sind, aber hauptsächlich beschäftigt sich der Film mit der Ausbeutung von illegalen Einwanderern. Das diese in der Fleischverarbeitung arbeiten, ist Zufall.
Wir werden auch nicht wirklich mit den Hauptfiguren bekannt gemacht. Andauernd schiebt man eine Nebenhandlung ein, die von der eigentlichen Handlung ablenken. Es ist sogar so, dass der Film mit einer Nebenhandlung startet.
Wir haben da den Manager einer Fast-Food-Kette, der die Verunreinigungen im Fleisch untersuchen soll. Dann ist da die Angestellte in einem Restaurant der Kette, die dort eigentlich recht zufrieden ist, aber nachdem ihr Onkel revolutionäre Gedanken einhaucht, sich einer Aktivistengruppe anschließt. Ihre Kollegen reden davon, dass sie die Welle von Überfällen auf Restaurants ausnutzen wollen und ihren eigenen Laden ausräumen wollen. Doch keine dieser Geschichten wird abgeschlossen.
Eigentlich denkt man, dass der Manager die Hauptfigur sei. Er ist die erste Figur, die man kennenlernt. Er wird ausführlich eingeführt, kriegt eine Hintergrundgeschichte und ist wirklich überzeugt, dass die Qualität seines Produkt im Vordergrund stehen sollte. Man baut wirklich eine Beziehung zu diesem Charakter auf. Und plötzlich verschwindet er aus dem Film und taucht erst am Ende auf.
Als die Illegalen das erste Mal auftauchen, denkt man noch „Was soll der Scheiß jetzt?“. Sie werden gezeigt, wie sie über die Grenze geschafft werden und fragt sich, was das jetzt eigentlich mit den verdreckten Burgern zu tun hat. Man lernt sie auch nicht besser kennen, weil jedes Mal, wenn man sich etwas für sie interessiert, ihre Handlung zu Gunsten der Nebenhandlungen unterbrochen wird. Deswegen ist ihr Schicksal nicht wirklich bewegend.
Kommen wir jetzt zur Besetzung. Die Namen Greg Kinnear, Luis Gusmán, Patricia Arquette, Kris Kristofferson, Bruce Willis und Ethan Hawke stehen eigentlich für großes und qualitativ hochwertiges Kino. Sie werden alle auf dem Poster genannt, sind in den Trailern vertreten und tauchen kaum im Film auf. Kinnear als der Manager hat noch die meiste Spielzeit, aber Willis und Kristofferson tauchen gerade einmal in einer (!) Szene auf.
Aber wer sind nun die Hauptdarsteller? Da haben wir Wilmer Valderrama. Wer das ist? Erinnert ihr euch noch an die Sendung „Die wilden 70er“? Diese Comedyserie, der wir Ashton Kutcher zu verdanken haben? Er war der herrlich unkomische Austauschschüler. Ansonsten hätten wir da noch Bobby Cannavale. Was, der Name sagt euch nichts? Der Kerl war der Chef von SWAT in „Der Kaufhaus-Cop“.
Die unmenschlichen Bedingungen in diesem Schlachtbetrieb kriegt man nichts zu sehen. Es wird zwar dauernd darüber geredet, wie die Arbeiter ausgenutzt und die Tiere misshandelt werden und das Schlachten nicht den gängigen Vorschriften entspricht. Es wird jedoch nichts gezeigt. Gegen Ende gibt es einen kurzen Blick ins Schlachthaus, doch das ist nichts, was man nicht bereits aus irgendwelchen Reportagen kennt. Aber wieso zeigt man das jetzt? Kinnear ist schon lange nicht mehr auf der Suche nach der Scheiße im Hack (die Verschmutzung).
Abschließend kann man sagen, dass hier wirklich fast alles falsch gemacht wurde, was man falsch machen kann. Es gibt keine wirkliche Handlung, die Schauspieler werden falsch eingesetzt. Außerdem geht die Intention, dem Zuschauer seinen Hamburger zu vermiesen, schief. Ich hatte Hunger nach dem Film. Lag vielleicht auch daran, dass ich den Film unterbrechen musste, weil er so langweilig war. Fünf Stunden Pause und eine Menge „Army of Two – The 40th day” später war ich dazu bereit.

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