Dogma

Jahr: USA 1999
Drehbuch & Regie: Kevin Smith
Darsteller:
Ben Affleck (Bartleby)
Matt Damon (Loki)
Linda Fiorentino (Bethany Sloane)
Jason Mewes (Jay)
Kevin Smith (Silent Bob)
Chris Rock (Rufus)
Alan Rickman (Metatron)
Selma Hayek (Serendipity)
George Carlin (Kardinal Glick)

Ehrenhafte Erwähnungen:
Janeane Garafolo (Liz)
Alanis Morissette (Gott)
Brian O’Halloran (Grant Hicks)
Jeff Anderson (Waffenverkäufer)

Alle strenggläubigen und leicht empfindlichen Katholiken sollten jetzt nicht weiterlesen und diese Kritik auslassen. Das war meine erste und letzte Warnung.
Dogma ist der vierte Film des View Askewniverse und der erste, den ich damals im Kino gesehen habe. Diese Satire ist eine Abrechnung mit den christlichen Glaubenskonstrukten und wie sie aus der Sicht des Regisseurs den Glauben immer mehr in den Hintergrund stellen.

Die Fun Facts:
Mit 10 Millionen Dollar ist dieser Film der bisher teuerste der Reihe. Eigentlich sollte die Rolle des Rufus mit Samuel L. Jackson oder Will Smith besetzt werden. Auf dem Regiestuhl hätte beinahe auch zum ersten Mal nicht Kevin Smith, sondern Robert Rodriguez Platz genommen. Doch der lehnte ab, da dieses Skript ihm als „zu persönlich“ erschien, dass es Smith nicht selbst machte.
Wieder in der Verantwortung ermahnte er seinen Freund Jason Mewes zu mehr Professionalität. Der hatte bisher seine Texte größtenteils improvisiert, doch das sollte er jetzt unterlassen in Hinblick auf die richtigen Schauspieler, wie Alan Rickman. Jason nahm sich die Ermahnung zu Herzen und lernte nicht nur seinen Text auswendig, sondern gleich das komplette Drehbuch.
Verliefen die Dreharbeiten störungsfrei, so entwickelte sich die Veröffentlichung zu einem wahren Alptraum. Wütende Christen bombardierten Smith nicht nur mit Hassbriefen, sondern schickten ihm auch Todesdrohungen. Die katholische Liga beschwerte sich so nachdrücklich bei Disney, die den Film vertrieben, dass der Kinostart von November 98 auf November 99 verschoben wurde, um die Wogen zu glätten. Das klappte nicht und so wurden die Rechte an Lionsgate verkauft, die Dogma am Ende ins Kino brachten.

Inhalt
Weil der Film zum größten Teil auf drei unterschiedlichen Erzählebenen stattfindet, wobei es zu nur vier Überschneidungen kommt, werde ich die Zusammenfassung nicht linear verfassen, um es etwas abzukürzen.
Die beiden Engel Bartleby, ein Bote, und Loki, ein Racheengel, wurden aus dem Himmel verbannt. Sie müssen bis ans Ende aller Tage am schlimmsten Ort des Universums, Wisconsin, verbringen und dürfen selbst nach dem jüngsten Gericht nicht die Himmelspforte durchschreiten. Wieso? Weil sie vollkommen besoffen Gott die Meinung gegeigt haben und anschließend den Mittelfinger zeigten. Doch jetzt kriegen sie eine Chance auf eine Rückkehr.
Eine Kirche in New Jersey feiert ihr 100jähriges Jubiläum. Damit ist ein Generalablass verbunden, die Vergebung aller Sünden. Da es sich um ein dogmatisches Gesetz handelt, wäre den beiden der Weg in den Himmel wieder offen. Das hätte jedoch zur Folge, dass die Welt und alles Sein aufhören würde, zu existieren. Die Welt besteht nur, weil Gott sich niemals irrt, wäre aber hier jetzt der Fall.
Diesen Plan hat Azrael, ein Dämon, ausgeheckt. Er war früher eine Muse, wurde jedoch zu den Dämonen geschickt, nachdem er sich weigerte, im Krieg gegen Satan zu kämpfen. Da er für ihn keine Möglichkeit zur Rückkehr in den Himmel gibt, will er alles auslöschen.
Dazu hat er selbst Gott ausgeschaltet. Da sie ein Faible für Minigolf hat, wird sie einmal im Monat zum Menschen. Also schlugen die Schläger Azraels sie ins Koma.
So entschieden die Mächte des Himmels, ihren letzten Trumpf auszuspielen. Der Metatron (die Stimme Gottes) informiert Bethany, eine geschiedene, verbitterte Katholikin, die ihren Glauben verloren hat und außerdem in einer Abtreibungsklinik arbeitet, über ihren Auftrag. Sie wurde ausgewählt, weil sie sie letzte Nachkommin von Jesus ist. Direkte Unterstützung solle sie durch zwei Propheten erhalten, die sich als Jay und Silent Bob entpuppen.
Auf ihrer Reise treffen die drei auf Rufus, den zwölften Apostel. Der will ihnen helfen, wenn dabei einige Fehler in der Bibel korrigiert werden. So wurde er aus dem neuen Testament gestrichen, weil er schwarz ist. Auch bei Jesus ethnischer Herkunft wurde was gedreht. Ergänzt wird die Gruppe durch Serendipity, eine Muse, die jetzt als Stripperin arbeitet.
Bartleby und Loki richten auf ihrer Reise zur Kirche ein Blutbad an. Der ehemalige Racheengel will nach seiner Rückkehr seine alte Stelle erneut einnehmen und fängt gleich damit an. Sein Ziel ist der Vorstand des Mooby-Konzerns. Sie sein Götzendiener und haben nebenbei auch gegen jeden Grundsatz des Christentums verstoßen. Mit Hilfe einer Desert Eagle sorgt Loki für freie Stellen.
In einem Zug kommt es zum ersten Aufeinandertreffen. Die beiden Engel haben einen lustigen Abend mit Jay und Silent Bob, bis Bethany dazukommt. Sie baut schnell eine Verbindung zu Bartleby auf, indem sie beide über ihre Verluste reden. Sie erzählt von ihrer gescheiterten Ehe, die wegen ihrer Unfruchtbarkeit in die Brüche ging, er über seine Beziehung zu Gott. Als sie sich angetrunken zu erkennen gibt, will er sie töten, wird aber von Silent Bob aus dem Zug geworfen.
Bartleby hat dadurch einen Sinneswandel. Angewidert von den Menschen und ihre Bevorzugung durch Gott will er jetzt Rache. Selbst Loki schreckt vor diesen Gedanken zurück, die ihn stark an Satans Reden erinnern.
Derweil versucht die Gruppe um Bethany Kardinal Glick, den Organisator der Kirchenfeier, zu überreden, die Kirche nicht zu öffnen. Von ihm kriegen sie eine Abfuhr, da die Feier wichtig sei, um neue Leute in die Kirche zu locken.
Als sie beratschlagen, was jetzt geschehen soll, werden sie von Azrael und seinen Schlägern gefangen genommen. Doch sie erledigen ihn, nachdem er seinen Plan erklärt hat.
Vor der Kirche hat Bartleby mittlerweile ein wahres Massaker unter den Kirchgängern angerichtet. In seinem Wahn tötet er sogar Loki, der inzwischen zum Menschen wurde. Es kommt zu einem Kampf zwischen dem Engel und Bathanys Begleitern, der sich zum schlechteren wendet, als Jay ihm die Flügel abschießt und zum Menschen macht. Die letzte Nachkommin findet im Krankenhaus gegenüber der Kirche die menschliche Hülle Gottes und stellt die lebenserhaltenden Geräte ab, um sie zu befreien.
Gerade noch rechtzeitig stoppt Gott Bartleby, als dieser die Kirche betreten will. Sie macht die Vorkommnisse ungeschehen für die Welt und gibt der gestorbenen Bethany nicht nur das Leben wieder, sondern ermöglicht auch eine Schwangerschaft.
Am Ende gehen alle übermenschlichen Wesen zurück in den Himmel.

Die Pro’s:
-Auch wenn der Film einige Fragen bezüglich des katholischen Glaubens aufwirft und teilweise harte Kritik äußert, wird hier nicht der religiöse Glauben abgelehnt. Wie Kevin Smith auch in einem Interview sagte, geht es darum, den Glauben zu feiern und nicht als Bürde zu empfinden.
-Der Humor ist wieder grandios, lebt aber nicht mehr ausschließlich von absurden Situationen und Dialogen, sondern der Mix macht es. Jede Figur ist auf eigene Art lustig. Rickman versprüht seinen Sarkasmus, Mewes haut seine Obszönitäten raus, Rock bringt seine Monologe über Rassismus und Lee gibt schwarzem Humor eine neue Bedeutung. (Stichwort „Holy Bartender“). Jeder findet etwas, über das er lachen kann.
-Die Darsteller treffen genau den richtigen Ton. Rickman und Fiorentino führen das Feld mit ihrer Leistung an, aber auch Affleck und Damon machen einen tollen Job.
-Fans von Comics kommen bei Comic-Enthusiast Smith auf ihre Kosten. Der Mann, der seine Tochter nach einer Figur aus Batman benannte (Harley Quinn), liefert hier einige Anspielungen auf berühmte Bücher und Charaktere.
Drei Beispiele:
1.Der Golgothaner, ein Scheißedämon, zitiert aus Batman – Arkham Asylum von Grant Morrison und Dave McKean Clayface bei seinem Auftritt.
2.Sein Kampf (oder besser das Ende) gegen die Gang erinnert stark an ein Panel aus einem Band der Welcome back, Frank – Reihe über den Punisher von Garth Ennis und Steve Dillon. Da killt der Russe eine Truppe Soldaten auf ähnliche Weise.
3.Bartleby zitiert den berühmtesten Satz von Bruce Banner, dem HULK. „Sie verärgern mich. Und sie würden mich nicht mögen, wenn ich verärgert bin.“
-Alle Männer freuen sich über Selma Hayek in Unterwäsche. Nach From Dusk til Dawn ein weiterer Augenschmaus.

Die Kontra’s:
-Ich habe nichts gegen Gore in Filmen, solange es nicht zu übertrieben ist und in den Film passt. Am Ende des Films spritzt das Blut und Köpfe explodieren, was nicht wirklich passt.

Das Fazit:
Dogma ist ein toller Film mit einer Menge Tiefgang. Trotzdem kommt der Spaß nicht zu kurz. Wegen der übertriebenen Brutalität am Ende kriegt er einen kleinen Abzug.

4.9/5

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