The Punisher (2004) vs. Punisher – War Zone (2008)

Über diese Kritik habe ich lange nachgedacht. Welches Format wähle ich? Vergleiche ich die beiden Filme Punkt für Punkt direkt? Bringe ich die Comics für jeden einzeln ein? Oder verfasse ich eine generelle Kritik? Mache es wie bei den Hulk-Filmen und bespreche sie einzeln? Lasse die Comics außen vor?
Auch die Bewertung stellte mich vor Probleme. Denn ich will ja die Comics mit integrieren und da kann ein geringer Bezug zur Vorlage nur Abzüge bringen und einen Film, der an sich gut ist, stark runterziehen. Aber mindert das die Qualität an sich?
Nach langem Üerlegen habe ich das Format für die auch folgenden Comicverfilmungen so festgelegt:
1. Kritik der Filme einzeln (wie gehabt)
2. Vergleich mit den Comics
3. Endfazit des Vergleichs. Ab jetzt werde ich die Punktwertungen weglassen, da sie meistens eher verwirrend und auch irgendwie nicht angemessen sind. Sie führen zum Vergleich der Wertungen von Filmen, die eigentlich nicht vergleichbar sind (z.B. kann man einen unterhaltsamen aber blöde Actionfilm schlecht mit atmosphärischen Thrillern vergleichen).
Deshalb sieht das Wertungssystem ab jetzt so aus:
bei Kinofilmen:
-Auf jeden Fall reingehen.
-Wartet auf die DVD.
-Kann man guten Gewissens auslassen.
bei DVDs:
-Kaufen! Sofort!
-Kann man ausleihen.
-Wenn ihr nur die Hülle seht, rennt.

The Punisher (2004)

Punisher (2004)
Regie: Jonathan Hensleih
Drehbuch: Jonathan Hensleigh & Michael France
Darsteller:
Thomas Jane Frank Castle (Punisher)
John Travolta Howard Saint
Laura Harring Livia Saint
James Carpinello Bobby Saint / John Saint
Will Patton Quentin Glass
Eddie Jemison Mickey Duka
Rebecca Romijn Joan
Ben Foster Spacker Dave
John Pinette Bumpo
Ehrenhafte Erwähnung:
Roy Scheider Frank Castle, Sr.
Kevin Nash der Russe

Fun Facts
Das Budet betrug 15 Millionen Dollar, man hatte 52 Drehtage. Als Location wurde Tampa, Florida gewählt, da es billiger war.
Zur Inspiration schaute Hensleigh Klassiker wie „Dirty Harry“, „The Getaway“, „The Good, The Bad and The Ugly“, „Der Pate“ und „Bonnie und Clyde“. Als Comic-Vorlage wählte man die Kurzserie „Willkommen zurück, Frank“ (steht komplett in der Garth-Ennis-Collection Vol.1) und „The Punisher: Jahr Eins“.

Story (hier gibt’s nur eine kurze Zusammenfassung, keine komplette Inhaltsangabe)
Der FBI-Undercoveragent Frank Castle steht kurz davor, seine aktive Laufbahn zu beenden. Bei seiner letzten Aktion, einem Waffendeal, kommt Bobby Saint, der Sohn des Gangsters Howard Saint, ums Leben.
Von Rache getrieben veranlasst Saint die Ermordung der kompletten Castle-Familie, die zu einem Familientreffen zusammengekommen ist. Lediglich Frank überlebt schwer verletzt und taucht einige Monate unter.
Bei seiner Rückkehr nach Tampa, stellt er fest, dass noch niemand verhaftet wurde. Also nimmt Castle das Gesetz in seine eigenen Hände. Er setzt seine Fähigkeiten ein, um das Saint-Imperium zum Einsturz zu bringen.
Im großen Finale liefert sich Castle eine Schießerei mit den Gangstern in Saints Nachtclub.

Die Pro’s
-Die Geschichte ist spannend und gut umgesetzt. Die Vorgehensweise von Castle hat mehr von von einem Thriller als von einem Actionfilm.
-Die Leistung der Darsteller ist passend, auch wenn Travolta lediglich seinen Part aus Passwort: Swordfish wiederholt.
-Die Action ist gut in Szene gesetzt. Die Schießereien wurden gut choreographiert, die Kämpfe Mann-gegen-Mann sehr packend.

Die Kontra’s
Der Film hat ein paar Längen. Auf manche Figuren hätte man verzichten können. Man hat da das Gefühl, es handelt sich um Füllmaterial.
-Es sind einige Plotlöcher in der Geschichte, die einen den Kopf vor Unglauben schütteln lassen. Wie kriegt Castle die Waffen seines Vaters ins Flugzeug oder durch den Zoll? Wo kommen seine anderen plötzlich weg? Wieso ist jeder überrascht, dass er noch lebt? (Bei seiner Einreise muss sein Pass kontrolliert werden)

Das Fazit
„Punisher“ ist ein solider Actionfilm, der nicht viel falsch macht. Betrachtet man den Film für sich (ohne Comicbezug) hat man einen spannenden Streifen, der sich zu Anschauen lohnt.
Meine Empfehlung:
Leiht ihn aus.

The Punisher - War Zone (2008)

Punisher – War Zone (2008)
Regie: Lexi Alexander
Drehbuch: Nick Santoa & Art Marcum & Matt Holloway
Darsteller:
Ray Stevenson Frank Castle (Punisher)
Dominic West Billy Russoti / Jigsaw
Doug Hutchison Loony Bin Jim
Colin Salmon Paul Budiansky
Dash Mihok Det. Marty Soap
Julie Benz Angela
ehrenhafte Erwähnung:
Wayne Knight Micro

Fun Facts
Die Produktion und Entwicklung dauerte mehrere Jahre, in denen das Personal mehr als einmal ausgetauscht wurde.
Bereits vor dem Start von Punisher 2004 wurde eine Fortsetzung angekündigt. Regie sollte wieder Hensleigh führen, Thomas Jane war erneut als Hauptdarsteller eingeplant. Der Bösewicht sollte Jigsaw sein.
2005 gab man als Veröffentlichungsdatum das folgende Jahr an, doch Probleme mit dem Skript verschoben den geplanten Drehstart auf Ende 2006.
Anfang 2006 hieß es, das Drehbuch sei halb fertig und man könne mit den Dreharbeiten im Februar 2007 beginnen. Im Oktober sagte Jane, das das Drehbuch in ein paar Wochen fertig sei. Im Dezember begann Stuart Beattie, es erneut umzuschreiben.
2007 wurde Kurt Sutter, ein Autor der Serie „The Shield“, geholt, um an dem Skript zu arbeiten. Thomas Jane zog sich aus dem Projekt zurück, da es ihm mittlerweile zu lange dauerte. Im Mai war John Dahl als Regisseur im Gespräch, bevor im Juli Lexi Alexander engagiert wurde. Außerdem stellte man Ray Stevenson als Hauptdarsteller vor. Im September gab man die restliche Besetzung bekannt. Gedreht wurde dann vom 22.10. bis zum 14.12. in Montreal.
Im Februar 2008 ließ sich Sutter aus den Credits streichen, da zu wenig seines Drehbuch verwendet wurde. Der Start in den USA wurde vom 15.09.08 auf den 05.12.08 verschoben (weshalb ich ihn nicht sehen konnte, als ich in LA war). Zwischenzeitlich kamen Gerüchte auf, dass Alexander von dem Projekt zurückgetreten sei und man den Film umschneiden wolle, um ein PG-13 Rating zu kriegen. Das erwies sich zum Glück als falsch.
Kurz vor dem Kinostart in Deutschland wurde dieser gecancelt (möglicher Flop und Indizierung). Seit Mitte November kann man den Film auf DVD kaufen (leicht geschnitten) oder ungeschnitten in der Videothek ausleihen.

Story
Frank Castle treibt seit 5 Jahren sein Unwesen in dern New Yorker Unterwelt. Er hat schon mehrere Mafia-Familien ausgelöscht, als Rache für die Ermordung seiner Familie durch den Mob.
Derzeit hat er es auf den Russoti-Clan abgesehen, deren Mitglieder er beinahe alle bei einer Feier tötet. Lediglich Billy kann kurzzeitig entkommen, wird dann jedoch durch Castle später schwer entstellt. Bei diesem Angriff tötet Castle auch einen verdeckt ermittelnden FBI Agenten.
Von Gewissensbissen getrieben will Castle aufhören, doch sein Freund Micro überredet ihn, wenigstens noch die Sache mit Russoti zu beenden.
Der hat sich wegen seiner Narben in Jigsaw umbenannt und seinen Bruder Loony Bin Jim aus der Irrenanstalt befreit. Um sein Imperium wieder aufzubauen will er an das Geld, das er bei der Witwe des toten Agenten vermutet.
Den Abschluss bildet eine große Schießerei in einem alten Hotel zwischen dem Punisher und sämtlichen Gangs von New York, die sich auf die Seite von Jigsaw gestellt haben. Am Ende muss Castle sich entscheiden, wen er rettet: seinen guten Freund oder die Familie des Agenten.

Die Pro’s
-Die Action ist phänomenal. Die brutale Härte für einen Marvel-Film überrascht etwas (wenn man die Blade-Filme mal nicht mitzählt), passt aber zum düsteren Ton des Films.
-Es kommt nie Langeweile auf, man ist immer voll dabei.
-Ray Stevenson verkörpert Frank Castle perfekt, auch die anderen Schauspieler liefern ordentliche Leistungen ab …

Die Kontra’s
-… wobei West und Hutchinson gerade gegen Ende des Films deutlich übertreiben und ihre Figuren zu überzogenen Karikaturen werden lassen, statt zu psychopathischen Verbrechern.
-In dem Zusammenhang kann man auch die Rekrutierung der Gangs nennen. Der Teil ist nur dämlich.

Fazit
„Punisher – War Zone“ ist ein kompromissloser Rache-Actioner, wie „Ein Mann sieht rot“, „Death Sentence“ oder der jetzt gestartete „Gesetz der Rache“. Politisch korrekte Menschen werden da einige Probleme haben, den Film zu geniessen.
Der Film ist zwar brutal, aber nicht so übertrieben, wie immer geschreiben wird (gerade „Saw“ und co legen die Latte deutlich höher). Alexander hat aber eine Art (wie schon in „Hooligans“), Gewalt so zu zeigen, dass sie dem Zuschauern keinen Spaß macht. Man fragt sich eher, ob Castle nicht anders hätte vorgehen können.
Meine Empfehlung:
Kaufen! Sofort! (bei unseren Nachbarn hinter den Bergen)

Vergleich mit dem Comic
Ich versuche jetzt mal, mich etwas zurückzuhalten, um nicht wie ein wütender Nerd rüberzukommen (also mehr als sonst).
Der erste Film hat mit dem Comic eigentlich nur den Titel gemeinsam. Die Geschiche des Punishers (wie hier beschrieben) wird vollkommen umgeschrieben. Auch passt das Verhalten von Castle nicht zur Figur. Der Punisher tötet seine Gegner und spielt keine Spielchen. Der Russe bleibt auch stumm statt seine Sprüche rauszuhauen.
Wenigstens ähnelt er im Aussehen der Vorlage. Denn außer ihm und Spacker Dave sieht keine der Figuren wie im Comic aus. Am krassesten ist Rebecca Romijn fehlbesetzt. Joan ist eine graue Maus und keine blonde Sexbombe. Thomas Jane hat optisch auch wenig mit Frank Castle gemein.
Punisher – War Zone geht da deutlich sorgsamer mit der Vorlage um. Ray Stevenson ist Frank Castle. Vergleicht nur das Filmposter mit dem Bild aus dem oben verlinkten Eintrag. Die Hintergrundgeschichte wird übernommen. Er macht die Gegner ohne Gnade nieder wie im Comic.
Die anderen Figuren kommen ebenfalls an ihre Vorbilder heran. Jeder ist optisch treffend besetzt, lediglich Jigsaw ist zu überdreht und Soap bleibt zu flach (ist eine zentrale Figur bei Ennis).
Deswegen lautet mein Urteil, welcher Film einen besseren Einblick in den Punisher gibt:

Punisher – War Zone

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2 Antworten zu The Punisher (2004) vs. Punisher – War Zone (2008)

  1. indiefreak schreibt:

    als früherer leser der punisher comics, muss ich dir natürlich vollkommen recht geben!!! die fun facts zu war zone sind sehr interessant zumal john dahl (!!!) auch mal im gespräch war… was ich noch hinzufügen möchte ist, dass war zone mich manchmal an alte action filme aus den 80ern erinnert hat (er versprüht einfach den charme der filme die samstags nach 01.00 uhr nachts auf den privaten sendern laufen😉 ) und das der film auch für mich überraschen viel gore/splatter elemente hatte… lustig wäre noch, wenn du nen vergleich mit dem lundgreen-punisher aus den 80ern machen würdest🙂

    • biglars schreibt:

      Den Filme kenne ich leider nur als *hust* Kopie, die ich mir mal ausgeliehen hatte. Leider waren der Ton und das Bild nicht ganz synchron, was es etwas schwer machte, den Film ernsthaft zu schauen. Das Bild kam mit so 5sec Verzögerung.

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